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Stimmungsvolles Sommertheater "Theaterspiele in der Glyptothek"

„Konzertarena oder Kulturort? Der Streit um den Königsplatz“

Zu laut für die alten Griechen? Der Königsplatz soll mehr Konzertarena werden. Doch zwischen dröhnenden Bässen, Sperrzäunen und Demonstrationen kämpft das Sommertheater „Theaterspiele Glyptothek“ um seinen Platz.

Der Konflikt

Der Streit um den Königsplatz kocht hoch – in den Medien und auf Social Media. Es geht um die zunehmende Nutzung des Platzes als Konzert- und Eventarena. Die beiden Museen und das Sommertheater in der Glyptothek wehren sich gegen die Vereinnahmung. Die Museumsleitungen und die Theaterleitung haben dazu bereits gemeinsam beim KVR vorgesprochen.

„Unser kleines Theater gibt es seit 36 Jahren“, so Sven Schöcker. Seit 2013 steht er hier als Schauspieler auf der Bühne, seit 2023 leitet er das Ensemble gemeinsam mit Alex Novak. „Wir sind ein gesundes Unternehmen, zahlen Steuern, kommen ohne Subventionen aus.“ Von Ende Juli bis Mitte September werden meist drei Theaterstücke – sehr oft mit Bezug zu den alten Griechen – in traumhafter Kulisse aufgeführt. Das Publikum sitzt an Tischen und genießt die Stücke bei Wein, Wasser, Brot und Käse. Eine Theatergaudi vom Feinsten. „Wir bieten Rückbesinnung und Kultur und werden von der lauten Welt zunehmend überrollt“, so Schöcker.

👇 Alex Novak und Sven Schöcker, © Astrid Ackermann 👇

Königsplatz als Konzertarena

Sprich: Der Stadtrat hat 2025 die Rahmenbedingungen und das Vergabeverfahren für Konzerte und Events am Königsplatz geändert. Statt bisher drei Konzertwochenenden sind nun in Jahren ohne IAA bis zu vier Wochenenden möglich – mit grundsätzlich zwei Veranstaltungstagen pro Wochenende. Damit kann der Königsplatz künftig an bis zu acht Tagen im Sommer als Konzertarena genutzt werden. Hinzu kommen die mehrtägigen Sperrungen für Auf- und Abbau. Politisch lässt sich das durchaus als eine Öffnung des Königsplatzes für größere Veranstaltungen verstehen.

„Die verramschen unseren Platz!“

„Eine Katastrophe“, findet Schöcker. Die Absperrungen halten Besucher fern, die Lautstärke übertönt Sämtliches, der „runtergeratzte“ Platz ist danach nur noch wahlweise Schlamm- oder Staubwüste – ganz nach Wetterlage. Neuer Rollrasen inklusive. „Wo bleibt die Nachhaltigkeit?“, fragt Schöcker und betont: „Die verramschen unseren Platz!“

I-Tüpfelchen ist nun eine genehmigte einwöchige Demonstration vom 7. bis 13. September – ausgerechnet in unserer Abschlusswoche. „Dafür haben wir schon eine Genehmigung und müssen nun schauen, ob da überhaupt Theater stattfinden kann.“ An die finanziellen Verluste mag Schöcker nicht denken. „Das Sommerwetter ist eigentlich genial für uns. Manche Vorstellungen könnten wir viermal verkaufen. Mit den entfallenden Wochenenden verlieren wir locker 30.000 Euro.“

👇 Hannah Gandor und Roland Schreglmann spielen “Antigone” 👇

Was hat das mit uns im Münchner Westen zu tun?

Was hat das mit uns hier draußen zu tun? Eine ganze Menge. Wir profitieren von den Veranstaltungen ebenso wie vom stimmungsvollen Sommertheater in der Glyptothek, von Konzerten und Open-Air-Kinovorführungen. Der Königsplatz ist eben nicht nur Münchner Innenstadt, sondern ein Kulturort, den auch viele Menschen aus dem Münchner Westen gerne nutzen.

Für die Interessen der unterschiedlichen Kulturangebote setzt sich auch der Bezirksausschussvorsitzende und Stadtrat Sebastian Kriesel ein. Als Mitglied des Kulturausschusses hat er bei Oberbürgermeister Dominik Krause nachgehakt. Kriesel will unter anderem wissen, wie der Spielbetrieb der Theaterspiele im Innenhof der Glyptothek gesichert werden kann, wie die Stadt bei kurzfristig angemeldeten Veranstaltungen mit dem Theater kommuniziert und ob Demonstrationen, Protestcamps oder andere Veranstaltungen mit Lärm so geplant werden können, dass der Theaterbetrieb um 20 Uhr nicht beeinträchtigt wird. Eine Antwort dürfte allerdings frühestens im September kommen. Für die diesjährige Theatersaison könnte es dann bereits zu spät sein.

Untätig geblieben ist das Theater derweil nicht. Es hat eine Petition gestartet: „Lasst unser Sommertheater leben – die Theaterspiele Glyptothek!“ Nach aktuellem Stand haben bereits 4.562 Menschen (Stand 17. August) unterschrieben. Zum Münchner Quorum von 6.400 Unterschriften fehlen damit noch 2.970 Stimmen. Die Petition läuft noch bis zum 4. Januar 2027. Die Frage ist also nicht, ob der Königsplatz Kultur verträgt. Sondern welche Kultur dort ihren Platz behalten darf – und wie viel Eventbetrieb ein historischer Kulturort verträgt.