„Gefühl des Augenblicks“ nennen Fotograf Michael Köhle und Malerin Jeanette Loder ihre gemeinsame Ausstellung im Pasinger Rathaus – und könnten ihre „Augenblicke“ wohl kaum unterschiedlicher festhalten. Köhle macht seine Leidenschaft für Züge zur künstlerischen Passion und fotografiert akribisch U-Bahnhöfe – in der Ausstellung sind ausschließlich Münchner Bahnhöfe zu sehen. Seine Intention ist es, durch überlagerte Belichtungen und Perspektiven die sonst unsichtbaren Details herauszuarbeiten. „Mir ist das Menschenleere sehr wichtig. Damit gibt es keine Ablenkung von den technischen Details“, sagte er bei der Vernissage. „Es kommt mir auf die Entfremdung an.“

Deshalb steht er gern auch schon einmal am Wochenende um halb sechs Uhr morgens in den Stationen und experimentiert. Je nach Blickwinkel kann man die entfremdeten Objekte – die Bahnhöfe – plötzlich als riesige Flügel oder als Räderwerk à la Charlie-Chaplin-Film wahrnehmen.

„Ich wollte als Kind Lokführer werden. Nun bin ich Lehrer, aber die Passion für Züge habe ich mir erhalten. Die Fotografie ist ein Ausgleich zu meiner Arbeit“, so Köhle. Gemeint ist damit auch die künstlerische Arbeit in aller Stille, ohne Zuschauer und Ansprechpartner. Die Kooperation mit den SWM und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Ausstellung freue ihn besonders. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem, dass er 2019 den Förderpreis des Landkreises FFB erhalten hat.
Seine Künstlerkollegin Jeanette Loder ist Kunstlehrerin und nähert sich ihren Werken auf ganz andere Art. „Ich habe im Alltag sehr wenig Zeit, aber viele Ideen“, erklärte sie bei der Vernissage. Daher arbeitet sie gern mit verschiedenen Schichten und Materialien, etwa Acryl und Kreide oder Acryl und Öl. „Meist male ich einen abstrakten Hintergrund und drücke damit meine Stimmung aus.“ In den nächsten Schritten entstehen die Motive, häufig eine oder mehrere Figuren, die das Bild schließlich vollenden. Loder lebt am Ammersee und ist dort viel mit ihren Kindern unterwegs. Wassermotive sind deshalb häufig eine Quelle ihrer Inspiration. „Mir kommt es darauf an, die kleinen alltäglichen Glücksmomente, besondere stille Momente für die Ewigkeit festzuhalten.“ Das können kleine Fußspuren im Sand sein, ein besonderes Licht oder eine andere unscheinbare Alltagsszene, die für einen Augenblick etwas Besonderes sichtbar macht.

Der Verein Kunst und Kultur im und um das Pasinger Rathaus e.V. freute sich über die „wunderbare Vielschichtigkeit und Lebensfreude, die aus den Werken hervorspricht“, sagte Vorsitzende Maria Osterhuber-Völkl bei der Vernissage. „Danke an Sie, Michael Kähle, dass Sie auf uns zugekommen sind. Wir hätten eindrucksvolle Kunst verpasst.“ Sie wünsche den beiden Künstlern eine erfolgreiche Ausstellung und viel Zuspruch des Publikums. „Es ist eine würdige Sommerausstellung, die in ihrer Farbenfreude und Komplexität bis weit nach den Ferien hier Eindruck machen wird.“
„Gefühl des Augenblicks“ ist noch bis zum 26. September zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus Pasing zu sehen. Prädikat: absolut sehenswert!