Wer heute über den Pasinger Marienplatz gelaufen ist, hat sich vielleicht gewundert: Zwischen Edeka, Mariensäule und Italiener wartet plötzlich ein bunt bemaltes Klavier auf seine ersten Musiker. Kein Zufall, das Klavier gehört zur Aktion „SPIEL MICH 2026!“, bei der bis zum 2. Juli elf künstlerisch gestaltete Klaviere im Münchner Stadtgebiet zum Spielen und Zuhören einladen. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie charmant: Wer vorbeikommt, darf sich setzen und spielen. Ganz egal, ob Konzertpianist, Hobbymusikerin oder jemand, der seit Jahren heimlich „Für Elise“ übt.
Mit Kunst aus der Grandlschule
Eine Besonderheit hat das Pasinger Klavier auf jeden Fall: Es wurde von Zweitklässlern der Grandlschule gestaltet. Als Vorlage diente ihnen das Bilderbuch „Swimmy“, das schon im Werkunterricht Inspirationsquelle war. „Wir haben uns mit den Motiven für die Gestaltung eines Klaviers beworben“, erklärte Rektorin Beate Hüttemann. Gemeinsam mit Klasslehrerin Laura Wimmer und einigen der kleinen Künstler aus der zweiten Klasse kam sie, um das Abladen und Aufstellen „ihres“ Klaviers zu verfolgen. Kaum stand das Klavier an seinem Platz, durfte Anna als Erste die Tasten anschlagen. Die Mitschüler klatschten, Passanten blieben stehen und für einen kurzen Moment wurde der Marienplatz zur Konzertbühne.
Musik für alle
Und genau darum geht es den Organisatoren von den urbanauten. Plätze sollen nicht nur Orte sein, an denen Menschen vorbeigehen. Sie sollen Orte sein, an denen Menschen stehen bleiben. Ein paar Töne können dafür manchmal mehr bewirken als viele Worte. Wer sich traut, bekommt also sein Publikum gratis dazu.
Jeder hat schon einmal erlebt, wie sich um einen Straßenmusiker innerhalb weniger Minuten ein kleiner Kreis von Zuhörern bildet. Das sollen auch die öffentlichen Klaviere auslösen: zusammenstehen, mitsummen, lächeln, klatschen. Für einen Moment entsteht Gemeinschaft auf der öffentlichen Bühne ganz ohne Termin und Eintrittskarte.
Nun wartet das Krakenklavier an der Mariensäule auf seine nächsten Musiker. Ob Chopin, Kinderlied, eine Tonleiter - ganz egal, und das macht den Reiz aus. Denn die schönsten Konzerte entstehen manchmal dort, wo niemand mit ihnen rechnet.
