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Operette im Kammerformat: Die „Csárdásfürstin“

Normalerweise lebt Emmerich Kalmans „Csárdásfürstin“ von großer Operettenpracht – in der Pasinger Farbik wird sie auf ihre Essenz reduziert. Mit nur sechs Darstellern und einer Mini-Besetzung aus Flöte, Horn, Geige, Cello, Kontrabass und Schlagwerk biete die Produktion eine konzentrierte Annäherung an den Operettenklassiker. Gerade dieser ungewöhnliche Ansatz macht neugierig.

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Alle Fotos: Annette Hempfling

Sommerzeit ist Premierenzeit in der Pasinger Fabrik. In diesem Sommer kommt die „Csárdásfürstin“ in die Wagenhalle. Mit gewohnt kleinem Orchester, wenigen Schauspielern und einem raffinierten Bühnenbild holt die Produktion das Budapest der Vorkriegszeit in die Wagenhalle.

Operette in Kammerform

Was bleibt aber von der „Csárdásfürstin“, wenn man den großen Operettenapparat radikal verkleinert und nicht einmal eine Theaterbühne hat? „Die Wagenhalle ist eigentlich nur ein großer Raum“, sagte Regisseurin Franziska Reng. „Ich liebe diesen Raum, die Nähe zum Publikum. Hier lässt sich einfach nichts verstecken. Jede Geste, jeder Ton, alles bekommt Bedeutung.“ Das sei für Maske, Bühnenbild und Schauspieler wahnsinnig herausfordernd. Für die Regisseurin stellte sich die Frage, wie weit sich die Operette reduzieren lässt, ohne dass ihre Geschichte verloren geht. „Die Geschichte der „Csárdásfürstin“ lebt von den Missverständnissen im Treppenhaus, in der Garderobe. Alles passiert hinten. Es war eine Herausforderung fürs Erzählen, dies darzustellen. Wir haben uns entschieden, die Bilder immer weiter aufzulösen, bis am Schluss tatsächlich nur noch der Mensch auf der Bühne steht.“

Die Welt von damals erlebbar

Kálmáns Operette ist fest in der Welt des Vorkriegseuropas verwurzelt. Die „Weiber vom Chandon“, die „geigenden Zigeuner“ und die aus heutiger Sicht starren Rollenbilder bleiben auch in der Kammerfassung erhalten. „Der Zuschauer kann sich aussuchen, in welcher Zeit er das Stück wahrnimmt“, sagte Regisseurin Franziska Reng. Besonders freue sie sich über die Besetzung. „Es ist kein Repertoirestück. Jeder, der hier ist, hat richtig Lust mitzuarbeiten. Die Energie und die Leidenschaft spürt man deutlich. Das gemeinsame Arbeiten macht enorm viel Spaß“, so Reng weiter.

Walzerseligkeit trifft auf ungarischen Pfeffer

Andreas P. Heinzemann, Hofkomponist der Pasinger Fabrik, arbeitet die Kontraste der kleinen Orchesterbesetzung heraus. „Man muss dazu sagen, dass die ungarische Volksmusik eher mündlich tradiert ist“, erklärt er. Wenn sie auf die Walzerseligkeit des aristokratischen Wiens trifft, entstehen „absolut geniale Kontraste“. Eigentlich hatte er ursprünglich geplant, die Combo-Besetzung um ein Klavier zu erweitern, um die Gegensätze noch stärker herauszuarbeiten. „Das ging aus Platzgründen leider nicht. Aber ich denke, dass die Musik auch ohne Klavier hervorragend funktioniert.“ Die mitreißende Musik, die bekannten Gassenhauer und der typische Kálmán-Humor verbinden sich zu einem sommerlichen Operettenabend. „Wir haben alles hineingepackt: Witz, Charme, Dramatik. Es ist für jeden etwas dabei“, so Reng. „Das funktioniert auch für Kinder sehr gut.“

Die leidigen Finanzen

Dass auch hier mit knappen Mitteln gearbeitet wird, liegt auf der Hand. Das Budget in der Pasinger Fabrik war von Beginn an ausschlaggebend für Größe und Umfang der Produktion. „Wir haben geschaut, was wir bezahlen können und was funktionieren kann. Der Mozart war damit schnell vom Tisch – der funktioniert nicht in Kammerbesetzung“, so Reng. „Unsere Gagen sind nicht hoch. Die Produktion trägt sich trotzdem dank unseres Fördervereins“, erklärt Franz Przybilla, Geschäftsführer der Pasinger Fabrik. „Der unterstützt uns in einzigartiger Weise und ist in unserer Arbeit nicht wegzudenken.“ Die ehrenamtlichen Kulturschwestern übernehmen zudem Garderobe, Kartenabriss und die Platzordnung. Die Inszenierung verspricht damit eine ungewöhnliche Begegnung mit einem Operettenklassiker: weniger Glanz und Prunk, dafür mehr Engagement aller Beteiligten, Intimität, Direktheit und Theater aus nächster Nähe. „Insgesamt sind mit Orchester, Schauspielern und Dirigent 13 Menschen auf der Bühne – wenn das kein Glück bringt“, sagt Przybilla. Er hoffe nun auf einen schönen August, damit auch die Open-Air-Vorstellungen in der Blutenburg nicht ins Wasser fallen.