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Sebastian Kriesel eröffnete die Veranstaltung und begrüßte Claudia Neeser, Nicole Heiß und Sophie Holzer (v.l.) im ubo9

Busbetriebshof in Aubing: Ein kleiner Münchner Planungs-Tsunami

Rund 200 E-Busse, neue Straßen, mehr Gewerbe und ein wachsendes Bahngelände: Im Aubinger Nordosten rollt die nächste Planungswelle an. Die Stadt plant groß – und vor Ort wächst die Sorge, dass es langsam ein bisschen viel wird.

[us]

Im nordöstlichen Eck des 22. Stadtbezirks wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einiges verändern. Die Planungen dafür laufen bereits: Zwischen Jaspersallee und Mühlanger soll ein Neubaugebiet für rund 9.000 Einwohner entstehen, am Dreilingsweg ist ein mehrzügiges Gymnasium geplant. Und auch die Tramtangente West zwischen Verdi-, Bergson- und Altostraße ist noch nicht vom Tisch. Nun kommt ein weiteres großes Vorhaben hinzu. Die Stadtverwaltung hat erste Pläne für einen Busbetriebshof an der Rupert-Bodner-Straße und die Erweiterung des dortigen Gewerbegebiets vorgestellt. Auch das benachbarte Bahnbetriebsgelände mit dem Ausbesserungswerk soll erweitert werden.

👇 Planungsgebiet, Graphik: Plangsreferat 👇

Busbetriebshof für ca 200 E-Busse plus Werkstätten und Waschanlage

Der Plan: Hier soll sich künftig der Busbetriebshof für ca. 200 E-Busse samt Werkstätten, Waschanlagen, Parkhaus und Verwaltung befinden. Das gesamte fragliche Gebiet zwischen der S-Bahnstation Langwied, der Rupert-Bodner-Straße, der Bergsonstraße und der A99 ist ca. 27 Hektar groß und gehört im Wesentlichen der Bahn sowie zwei weiteren Grundstückseigentümern. Nur 5 Prozent befinden sich in städtischem Eigentum. Dass der Plan dennoch aufgehen kann, ergab eine Machbarkeitsstudie der Referate.

Natürlich braucht ein so großes Bauprojekt eine funktionierende Erschließung. Die Vorzugsvariante dafür ist eine neue Straße, die südlich des S-Bahnhofs von der Bergsonstraße abzweigt und in Richtung Westen führt. Als alternative Erschließung gilt die bestehende Straße, die am Kunstkraftwerk Bergson vorbei ebenfalls in Richtung Westen führt.

Diese Vorplanungen sowie die Klima-, Verkehrs- und Schallschutzuntersuchungen stellte die Stadt im ubo9 bei einer Erörterungsveranstaltung mit Bürgerbeteiligung vor. Viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung, einige BA-Mitglieder und leider nur wenige Bürger kamen zum Zuhören und Mitdiskutieren. Nicole Heiß vom Planungsreferat sagte in ihrer Präsentation: „Das Planungsgebiet befindet sich in einer sensiblen Lage.“ Nämlich in der West-Ost-Ventilationsbahn, der Kaltluft-Leitbahn für München. Und wer oft die Bergsonstraße stadtauswärts radelt, weiß, was gemeint ist: Beim Radeln wird die Luft zunehmend frischer und kühler. Ein besonderes Augenmerk gelte deswegen auch dem Naturschutz. Die freizuhaltende Fläche für diese Leitbahn müsse mindestens 30, besser noch 50 Meter breit sein, so die Gutachten.

👇 Graaphik: Planungsreferat 👇

Sorgen um Verkehr, Lärm und Natur

Die Grünflächen im Süden des Plangebiets hätten genau diese Breite, so Heiß. Die Stadt bezeichnete die Fläche in ihrer Präsentation als „Parkmeile“. Dies löste einige Verwirrung unter den Zuhörern aus, die darunter zunächst Parkplatzflächen verstanden. Die Fragen aus dem Publikum betrafen die Energieversorgung („Neues Umspannwerk muss her“, so die SWM-Antwort), die Lichtemissionen („Planen wir noch“), die zukünftigen Verkehre auf der Bergsonstraße und weiter zur Alten Allee, den Bauzeitrahmen („Da können wir uns noch gar nicht festlegen“), den Brandschutz bei den E-Bussen und die Lärmbelastung.

Die Aubingerin Carola Hammer brachte mit ihrem Redebeitrag die Bedenken vieler Aubinger auf den Punkt: „Die Lautstärke vom Recyclinghof hört man jetzt schon bis zur Aubinger Lohe. Und was ist mit dem kleinen Bachrundlauf?“ Der sei früher ein wunderschöner Spazierweg gewesen und könne nun wegen der neuen Mauer nicht mehr genutzt werden. „Sie bauen bis an die absolute Baugrenze. Jetzt schon ist die Belastung hoch. Nun kommt noch mehr Schwerindustrie, neue Straßen und neuer Verkehr. Gibt es irgendwas an Entschädigung für Aubing?“

So sehen die nächsten Planungsschritte aus

Die Stadtvertreter versprachen, alle Einwände und Bedenken in die weitere Planung aufzunehmen, und verwiesen auf den Zeitplan. Der sieht vor, dass noch bis zum 21. Oktober Vorbehalte gegen die Planung eingebracht werden können. Danach folgen Bauplanentwurf, Behördenabfrage, Überarbeitung und Stadtratsbeschluss. Anschließend soll es noch einmal eine Öffentlichkeitsbeteiligung zur dann konkreteren Planung geben. Erst danach stehen die finalen Beschlüsse an – eine konkrete Jahreszahl wurde dafür nicht genannt. Im Anschluss meinte BA-Vorsitzender Sebastian Kriesel: „Es ist gut, dass die seit Jahrzehnten ausgewiesenen Gewerbeflächen nun geordnet werden. Dabei ist es aber unerlässlich, dass der Verkehr über eine neu zu errichtende Straße entlang des Bahnwerks auf die Bergsonstraße im Bereich des S-Bahnhofs geführt wird.“ Die Bürgerkritik müsse unbedingt in die Planung eingehen, forderte er weiter. „Wenn die Bürgerkritik ernst genommen und die Verkehrserschließung vernünftig gelöst wird, kann der geplante Busbetriebshof an dieser Stelle gut in das Gebiet integriert werden.“