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Barrierefrei ans Wasser? Der neue Badesteg am Lußsee sorgt für Diskussionen

Der neue barrierefreie Badesteg am Lußsee ist fertig – doch schon kurz nach der Eröffnung gibt es Kritik. Betroffene bemängeln Standort und Ausstattung, das Baureferat verteidigt die Planung.

Der neue barrierefreie Badesteg an der Nordseite des Lußsees hat eine längere Vorgeschichte. Bereits 2022 beschloss der Münchner Stadtrat, barrierefreie Zugänge zu den Badeseen zu schaffen. Nach Ortsterminen, Planung und Genehmigungsverfahren begannen im Herbst 2025 die Arbeiten am Lußsee. Im Juni wurde der rund 30 Meter lange Steg fertiggestellt – aus Stahl, mit sanfter Neigung, beidseitigen Geländern und mehreren Einstiegen ins Wasser. Ergänzt wird die Anlage durch kleine Mauern, Wiesenflächen und Bänke.

Gleich in der Julisitzung des Bezirksausschusses kamen allerdings die ersten Beschwerden. Der ehemalige Seniorenbeirat Klaus Trapp hatte schon im Allacher BA einen Antrag gestellt und diesen dann in Aubing wiederholt: Parkplatz und Toiletten seien zu weit entfernt, der Weg über die Kiesfläche zwischen Parkplatz und Steg sei schwierig, das Stahlgeländer werde in der Sonne zu heiß und der Wassereinstieg liege im Schilfgürtel – „Es ist eine Fehlplanung. Als barrierefreier Steg ist das nicht geeignet.“ Auch die Rollstuhlnutzerin Kerstin Müske meldete sich zu Wort: „An dieser Stelle ist der Steg wirklich unsinnig.“ Und übrigens auch schwer zu erreichen, „der Kies ist zu hoch. Ich schaffe den Weg mit dem Rollstuhl kaum allein.“ Im BA herrschte Ratlosigkeit. „Seit fünf oder sechs Jahren warten wir auf diesen barrierefreien Zugang. Immer sind wir vertröstet worden, und nun ist der Steg endlich da. Es war wirklich nicht einfach, einen Platz zu finden“, sagte Karin Binsteiner. Die Stadt habe es gut gemeint, sagte BA-Vorsitzender Sebastian Kriesel. „Aber vieles passt einfach nicht.“

Zwei Wochen später traf man sich zum Ortstermin am Steg mit Vertretern des Baureferats und betroffenen Bürgern. Auch die BA-Behindertenbeauftragten aus Aubing, Laszlo Gabriel, und aus Allach, Christian Hacker, waren dabei.

👇 Ortstermin mit Bürgern, BA und Verwaltung 👇

„Super schön, aber falsche Stelle“

„Die Anlage ist super schön geworden, aber aus unserer Sicht liegt sie an der falschen Stelle“, sagte Binsteiner beim Ortstermin und zählte alle Kritikpunkte auf.

Die Argumente des Baureferats: „Der Auftrag war es, eine geschützte Stelle zu schaffen. Der Eingriff in die Natur sollte minimal sein. Ein Gutachten hat das Sicherheitskonzept bestätigt – der Weg zum Parkplatz ist nicht zu weit. In unmittelbarer Nähe steht eine Notrufsäule, und gegenüber ist die Wasserwacht. Auch den Standort haben wir sorgfältig ausgewählt. Es ist hier der einzig mögliche.“

👇 Beim Ortstermin 👇

Am Kiesstrand ist das Gefälle im Wasser zu groß, im Osten ist Landschaftsschutzgebiet, im Süden ist das Gelände schwer zugänglich – deshalb die Badeinseln mit den Leitern. „Sie können uns glauben, dass wir sehr viel Zeit in die Planung gesteckt haben.“ Vielleicht sei der Wasserstand derzeit einfach zu niedrig. Eigentlich solle man mit dem Rollstuhl bis ins Wasser rollen können, dort Auftrieb bekommen und dann losschwimmen.

Am Schluss fasste Sebastian Kriesel die Bitten aus der Bürgerschaft und dem BA zusammen: Kiesweg und Wassereinstieg verbessern, Handlauf von außen und innen greifbar gestalten, Beschattung prüfen und kleine Stufen montieren. „Es ist eine schöne Anlage. Über die Situierung konnten wir viel erfahren. Danke für das engagierte Mitdiskutieren. Und danke an das Baureferat, dass Sie unsere Anregungen mitnehmen. Wir freuen uns alle, wenn wir im Sinne der Akzeptanz und Nutzbarkeit ein großes Stück vorankommen.“