Wer hüpft denn da durchs hohe Gras? Mit Kescher und Streifnetz gehen Drittklässler im Aubinger Moos auf Entdeckungstour und kommen einer besonderen Heuschrecke auf die Spur. Zwischen hohen Gräsern und Stauden ist ganz schön was los: Kleine Heuschrecken springen von Halm zu Halm, andere sind im dichten Grün kaum zu erkennen.

Entdeckungstour im Moos
Bei bestem Spätsommerwetter erkundeten die 25 Kinder der Klasse 3d der Grundschule an der Gustl-Bayrhammer-Straße 21, Anfang Oktober das Aubinger Moos. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Simone Sommer und Matthias Schwahn vom Umsetzungsteam des BayernNetzNatur-Projekts „Aubinger Moos“ tauchten sie in die Welt der heimischen Insekten ein. Dabei entdeckten die jungen Naturforscher nicht nur Langflügelige Schwertschrecken in ihrem hochwüchsigen Lebensraum, sondern auch zahlreiche Sumpfschrecken.

Vom Klassenzimmer hinaus in die Natur
Bereits zwei Tage zuvor hatten sich die Drittklässler im Rahmen der Aktion „Grünes Klassenzimmer“ gemeinsam mit Matthias Schwahn mit der Langflügeligen Schwertschrecke und ihren Lebensraumansprüchen beschäftigt. Bei der Exkursion konnten sie das Gelernte direkt in der Natur erleben. So wurde aus dem Unterricht ein kleines Abenteuer: Die Kinder erkundeten die faszinierenden Bewohner des Mooses aus nächster Nähe. Dazu führte die Exkursion in den „Wald der hohen Stauden und Gräser“, dem Schwertschrecken-Wald, nordwestlich von Langwied. Das Gebiet bietet den Tieren geeignete Lebensbedingungen.

Naturbegeisterung wecken
Als engagierter Naturfreund setzt sich Matthias Schwahn seit vielen Jahren für das Projekt ein, das ihm besonders am Herzen liegt. Sein Anliegen ist es, bei jungen Menschen frühzeitig Interesse und Begeisterung für die Natur zu wecken. „Mir ist es sehr wichtig, den Kindern gerade in der heutigen Zeit die Natur wieder nahezubringen. Das kommt oft viel zu kurz“, betonte er.
Kleine Heuschrecke mit großem „Schwert“
Die Langflügelige Schwertschrecke ist eine Besonderheit: Ihr Körper misst gerade einmal zwölf bis 18 Millimeter. Dafür sind ihre Flügel und Fühler auffallend lang. Auch die Legeröhre der Weibchen, die der Art ihren Namen gibt, ist fast so lang wie der Körper. Sie dient der Eiablage in Pflanzenstängeln und ist keine Waffe.

Meisterin der Tarnung
Auf ihrem Speiseplan stehen Gräser und Kräuter ebenso wie kleine Insekten, darunter Blattläuse und Raupen. Bei Gefahr beweist die flinke Heuschrecke erstaunliche Tarnkünste: Blitzschnell wechselt sie auf die abgewandte Seite eines Halms und schmiegt sich eng daran. So ist sie kaum noch zu entdecken. Erfolgt keine weitere Störung mehr, lugt sie nach kurzer Zeit mit dem Kopf hinter dem Halm hervor, ob „die Luft wieder rein ist“. Wer die Tiere aufspüren will, muss also genau hinschauen – eine Herausforderung, die den Blick für die kleinen Bewohner des Mooses schärft.
Das „Grüne Klassenzimmer“
Die Exkursion ist Teil der Aktion „Grünes Klassenzimmer“ des BayernNetzNatur-Projekts „Aubinger Moos“. Ziel ist es, Kindern die Natur direkt vor ihrer Haustür näherzubringen. Dritt- und Viertklässler der umliegenden Grundschulen erkunden dabei die Lebensräume heimischer Tier- und Pflanzenarten und erfahren, warum diese geschützt werden müssen. Die unmittelbaren Begegnungen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Begeisterung für die Artenvielfalt wecken.
Wertvolle Lebensräume erhalten
Das Aubinger Moos bietet dafür beste Voraussetzungen. Als Teil des Dachauer Mooses erstreckt es sich über rund zwölf Quadratkilometer am westlichen Stadtrand Münchens. Es ist das erste Projektgebiet der Landeshauptstadt im landesweiten Biotopverbund BayernNetzNatur. Das Projekt setzt sich für den Erhalt und die Entwicklung wertvoller Lebensräume ein, etwa durch die Pflege von Streuwiesen.
Weitere Bewohner des Mooses
Bei früheren Ausflügen des Grünen Klassenzimmers standen bereits andere besondere Bewohner des Mooses im Mittelpunkt – darunter der Dunkle Moorbläuling, die Feldgrille und die Südliche Binsenjungfer. „Die Suche nach der Langflügeligen Schwertschrecke zeigt einmal mehr, wie viel es in diesem Naturraum zu entdecken gibt. Wer die Natur vor der eigenen Haustür genauer kennenlernt, versteht auch besser, warum es sich lohnt, sie zu bewahren“, so Schwahn.
Bachabwärts zur Bachforelle
Noch im Oktober steht für die Klasse 2dg der Freihamer Grundschule ein weiteres Naturerlebnis auf dem Programm. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Manuela Schroeter entdecken sie zusammen mit Matthias Schwahn die Welt der Bachforelle. Nach dem Unterrichtsteil geht es zwei Tage später mit dem Bus nach Lochhausen zum Lochhauser Fischbach, einem Niedermoorbach im Aubinger Moos. Es bleibt spannend, welche Entdeckungen die Kinder am Lochhauser Fischbach machen werden.