Es duftete nach Kürbis, frischen Äpfeln und selbst gebackenen Apfelkiacherln. In der Küche der Freihamer Realschule wurde fleißig gerührt, geschnippelt und abgeschmeckt. Deutsch und Dänisch schwirrten durcheinander, dazwischen ein bisschen Englisch und jede Menge Gelächter. Statt Mathe und Vokabeln standen gemeinsames Kochen und Genießen auf dem Programm. Und ganz nebenbei ging es um eine ziemlich große Frage: Wie können wir unsere Zukunft nachhaltiger gestalten?
34 Achtklässler und vier Lehrkräfte der Strib Skole von der dänischen Insel Fyn waren für fünf Tage zu Gast am Gymnasium Freiham. Die Begegnung fand im Rahmen des europäischen Bildungsprogramms Erasmus+ statt, an dem die Freihamer Schule bereits seit mehreren Jahren teilnimmt. Malta, Frankreich und Spanien gehören zu den bisherigen Partnerländern, England soll bald dazukommen. Nun gab es auch einen Dänemark-Austausch.

„Bei Erasmus+ geht es nicht nur um Sprache und Austausch. Es geht auch immer um ein besonderes Thema, dem sich die Schüler nähern sollen“, erklärt Kim Hunecke, die am Gymnasium Freiham Deutsch und Englisch unterrichtet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sara Kubisch hatte sie für die Begegnung das Motto „Weniger CO₂ – mehr Zukunft“ gewählt. Ein anspruchsvolles Thema, das die beiden Lehrerinnen kurzerhand auf den Alltag der Jugendlichen herunterbrachen. Nachhaltigkeit, Regionalität und Heimat sollten nicht nur diskutiert, sondern erlebt werden. „Wir wollten mit den Kindern etwas erleben, womit sich alle wohlfühlen.“
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Vom Viktualienmarkt in die Schulküche
Und was verbindet Menschen über Ländergrenzen hinweg besser als gutes Essen? Also wurde aus der großen Zukunftsfrage ein ebenso einfaches wie vergnügliches Projekt: erst gemeinsam auf Entdeckungstour gehen, dann gemeinsam kochen und schließlich gemeinsam genießen.

Den Anfang machte ein Besuch auf dem Münchner Viktualienmarkt. Hier erkundeten die Jugendlichen das Angebot, befragten Händlerinnen und Händler zu regionalen und nachhaltigen Produkten und überlegten, welche Zutaten sich für ein klimabewusstes Menü eignen könnten. Was auf dem Markt entdeckt und für gut befunden wurde, sollte am nächsten Tag auf den Tellern landen.
Allerdings ist es eine Sache, zwischen bunten Marktständen kulinarische Ideen zu sammeln, und eine ganz andere, daraus ein Essen für eine große hungrige Runde zu zaubern. Hier kam der Verein Überkochen e.V. ins Spiel, auf dessen Workshops Kim Hunecke bei ihrer Vorbereitung gestoßen war. Workshopleiterin Hannah Nieswand übernahm die kulinarische Übersetzung der gesammelten Ideen in praktikable Rezepte, passende Zutatenmengen und einen gemeinsamen Kochplan. Der Workshop mit dem treffenden Titel „Klimaküche“ verband Wissenswertes über ressourcenschonende Ernährung mit ganz praktischer Küchenarbeit.
„Begeisternd über Kochen in Verbindung mit dem Anbau und der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln zu sprechen, ist mir ein Anliegen“, erklärt Nieswand. Gerade das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und die praktischen Tipps machten die Workshops für sie so wertvoll.

Klimaschutz mit Kürbis und Apfelkiacherln
Und dann wurde geschnippelt, gerührt und gebrutzelt. Auf dem Speiseplan standen ein frischer Apfel-Karotten-Salat, eine herbstliche Gemüsesuppe mit reichlich Kürbis und zum süßen Abschluss Apfelkiacherl. Alles selbst gemacht, alles gemeinsam zubereitet.
„Es hat super Spaß gemacht. Auch zu sehen, wie die dänischen und die deutschen Schüler zusammengekommen sind. Kochen verbindet eben sehr!“, freut sich Hannah Nieswand. Kim Hunecke kann das nur bestätigen und fügt hinzu: „Essen auch!“ Besonders die lange, lebendige Tafel, an der schließlich alle zusammensaßen, ist ihr in Erinnerung geblieben. Wo eben noch geschnippelt und gewerkelt wurde, saß nun eine fröhliche internationale Tischgesellschaft beisammen. Die Sprachgrenzen? Längst Nebensache. Schließlich schmeckt eine Kürbissuppe auf Dänisch genauso gut wie auf Deutsch. Und ganz nebenbei war etwas gelungen, das kein Schulbuch allein vermitteln kann: Die Jugendlichen hatten erfahren, dass nachhaltiges Handeln nicht unbedingt mit Verzicht zu tun haben muss, sondern auch mit Neugier, Kreativität und Genuss. Und dass man gemeinsam oft mehr auf die Beine stellen kann als allein.
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München, neue Freundschaften und jede Menge Englisch
Natürlich bestand die Austauschreise nicht nur aus Marktbesuch und Kochen. Die dänischen Gäste erkundeten München, staunten über die Eisbachwelle, sahen die Berge und lernten ihre deutsche Partnerschule kennen.
„Ich war zum ersten Mal in München und es hat mir sehr gefallen“, erzählt Morten aus Dänemark. Besonders die Berge und die Eisbachwelle haben Eindruck hinterlassen. Auch für die Freihamer Schüler war die Begegnung ein voller Erfolg. „Wir sind super mit unserem Englisch zurechtgekommen“, freut sich Rebekka. Für Johanna war es besonders schön, dass die Jugendlichen auch ohne Lehrkräfte miteinander unterwegs sein durften. „Wir konnten ihnen ein bisschen München zeigen. Und wir durften am Viktualienmarkt mit den Verkäufern sprechen. Das war cool.“
Nach fünf gemeinsamen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen. Auf die dänische Gruppe wartete eine lange Zugfahrt zurück auf die Insel Fyn. Von der Woche blieben viele schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und die Erkenntnis, dass Verständigung manchmal ganz ohne perfekte Vokabelkenntnisse funktioniert.
„Die Woche ist wie im Flug vergangen“, so Kim Hunecke. Eine Wiederholung kann sie sich gut vorstellen, vielleicht sogar mit einer Unterbringung der dänischen Gäste bei den Freihamer Familien. Denn eines hat die gemeinsame Klimaküche auf jeden Fall gezeigt: Wer zusammen kocht und isst, kommt auch miteinander ins Gespräch. Und manchmal beginnt eine gute Zukunft eben ganz unspektakulär – mit einem Kürbis, ein paar Äpfeln und einem Platz an einer langen Tafel.