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Pasinger Lichtinger Strasse: 8 von 13 Baumriesen und die Architektenvilla mussten weichen. Das Bauprojekt wurde bislang nur zur Hälfte abgeschlossen, der halbe Baugrund stand vor einiger Zeit wieder zum Verkauf.

Baumschutz vs. Bauturbo: Pasinger Bürgerversammlung fordert Umdenken in München

Wenn die Stadt heiß läuft, retten Bäume Leben. Daran sollten wir uns öfter erinnern – und entsprechend handeln, wie es zuletzt in der Pasinger Bürgerversammlung eingefordert wurde. Der weltweite Tag des Baumes (seit 1952) wäre ein passender Anlass dafür.

[Monika Ermert]

München wird heißer. An Tagen mit 40 Grad am Odeonsplatz bleibt es im Schatten des Englischen Gartens rund 28 Grad kühl. Der Unterschied ist messbar – und lebenswichtig. Studien, unter anderem der Fachzeitschrift Lancet, zeigen: Mit steigenden Temperaturen nehmen auch hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle zu. 2024 wurden europaweit über 62.000 Hitzetote gezählt. Deutschland liegt dabei auf Platz drei.

Unterschätzt die Stadt den Wert alter Bäume?

Und doch verschwinden in München jedes Jahr tausende Bäume. Gerade in Stadtteilen wie Pasing, Aubing und Menzing wächst der Druck. Nachverdichtung, Bauprojekte und Tiefgaragen führen dazu, dass alte Baumriesen gefällt werden – obwohl ihr Wert für das Stadtklima längst belegt ist.

Zugleich nimmt die Abdeckung durch Baumkronen in unseren Städten weiter ab. Aktuell liegt sie bei 20 Prozent. Das sind 10 Prozent weniger als, etwa von den Autoren der Lancet Berichte gefordert werden. Auf der jüngsten Pasinger Bürgerversammlung wurde das deutlich thematisiert.

Nachbarbeteiligung im Genehmigungsverfahren umgangen / erschreckender Leerstand

Reiner Lang, einer der Gründer der Bürgerinitiative Pasinger Grün, forderte in seinem Antrag, eine „Koordinierungsstelle Klimaanpassung“ einzurichten, um ein einheitlicheres Handeln der Verwaltung zu fördern. Die Bürgerversammlung befürwortete diesen Vorschlag mehrheitlich.

Weil die fortgesetzten Fällungen in den ehemaligen Gartenstadtvierteln inzwischen auf viel Widerstand stoßen, greifen manche Bauträger offenbar zu einem Trick. Direkte Anlieger werden nicht mehr über ein bevorstehendes Bauprojekt auf dem Nachbargrundstück informiert – und damit auch nicht über anstehende Fällungen. Im schlimmsten Fall – wenn die Lokalbaukommission eine erteilte Baugenehmigung nicht per Post verschickt, sondern lediglich im Amtsblatt veröffentlicht – erfahren sie erst davon, wenn die Bagger anrücken. Für eine Klage ist es dann zu spät. Den Regeln der Bayerischen Bauordnung entspricht dieses Vorgehen nicht, sagte bei der Bürgerversammlung Christopher Stark, Architekt und Vorstandsmitglied der BI Pasinger Grün.

Die Bürgerversammlung beschloss, dass die Lokalbaukommission künftig darauf achten soll, die gesetzlichen Vorgaben zur Nachbarschaftsbeteiligung einzuhalten. Allerdings: Mit den jüngsten Bauturbo-Gesetzen könnte der Bagger künftig noch schneller kommen.

Bauturbo hilft dem „Baum-Killer“ Tiefgarage

Nicht ganz einig war man sich in Pasing beim Thema größere Tiefgaragen. Für manche ist bequemes Parken noch immer wichtiger als der Erhalt alter Bäume – auch die Stellplatzanforderungen der Stadt spielen dabei eine Rolle. Da für Tiefgaragen häufig bis an die Grundstücksgrenzen ausgeschachtet wird, müssen oft unnötig viele Bäume weichen. Zudem können auf den tief versiegelten Flächen auch künftig keine neuen Bäume mehr wachsen.

Der Münchner Stadtrat, der für neue Baumpflanzungen in der Innenstadt tief in die Tasche greifen will – rund 95.000 Euro pro Baum stehen im Raum –, zeigt gegenüber bestehenden Baumriesen bislang wenig Zurückhaltung bei deren Verlust. Im Zuge der Bauturbo-Beschlüsse entschied er 2024, dass Tiefgaragen künftig „in begründeten Ausnahmefällen“ bis zu 60 Prozent der nicht überbauten Freifläche eines Grundstücks einnehmen dürfen. Eine Mehrheit der Pasinger forderte am Mittwoch, diesen Beschluss zurückzunehmen – und Tiefgaragen möglichst nur unter dem eigentlichen Baukörper zuzulassen. Es ist bereits der zweite entsprechende Antrag.

Stichwort: Bezahlbarer Wohnraum

Auch zum Thema Wohnraum verabschiedete die Bürgerversammlung einen Antrag – allerdings mit Blick auf den erheblichen Leerstand in der Pasinger Waldkolonie. Von der 30 Jahre alten Bauruine bis zur verfallenden Jugendstilvilla, von leerstehenden Wohnungen in Mehrfamilienhäusern bis zu kleinen Häusern in verwilderten Gärten: Für nahezu jeden Bedarf wäre Wohnraum vorhanden.

Armin Schott erinnerte daran, dass länger leer stehender Wohnraum als Zweckentfremdung gilt und mit Bußgeldern von bis zu 500.000 Euro geahndet werden kann. Die Bürgerversammlung sprach sich dafür aus, dass die Stadt stärker gegen diesen Leerstand vorgeht und ihn wieder mit Leben füllt. Vielleicht wird es dann vertretbar, bei der Nachverdichtung maßvoller vorzugehen – und die eine oder andere hundertjährige Eiche stehen zu lassen.

Die Mühlerwegeiche vor der Fälle: