Seit einigen Tagen ist Schluss mit der freien Wiese. Am Harthauser Weg zwischen Freiham und Germering versperren Elektrozäune den Zugang zu den Flächen. „Die bunten Blumenwiesen waren eine Attraktion“, erklärt die Germeringer Grünen-Stadträtin Eva Kuchler. „Sogar Kita-Gruppen sind gekommen, und im Herbst haben die Kinder hier ihre Drachen steigen lassen“.

Welche Art von Natur ist wichtiger?
Damit ist es vorerst vorbei. Seit 2024 lässt die Deutsche Bahn die Flächen als Ausgleich für die zweite S-Bahn-Stammstrecke bewirtschaften. Im vergangenen Jahr ist um die Wiese auf einer Seite des Harthauser Wegs ein Elektrozaun gezogen worden. „Wir konnten miterleben, wie die blühende Wiese von den weidenden Kühen abgegrast wurde“, erinnert sich Eva Kuchler in einem Schreiben an die Deutsche Bahn. Jetzt ist auch die andere Seite dran. Eva Kuchler und ihr Mann Werner stellen in einem Schreiben an die Deutsche Bahn, das auch an den BA Aubing gegangen ist, konkrete Fragen: Nach welchen Kriterien wird bewirtschaftet? Wie werden Feldlerchen, Insekten und Kleintiere geschützt? Und warum hat Nutzung Vorrang vor einer frei zugänglichen Wiese?
Bahn verweist auf Konzept - Zweifel bleiben
Die Antwort fällt knapp aus. Das Konzept sei mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, teilt die Bahn mit. Ziel seien artenreiche Biotope. Die Flächen würden extensiv genutzt und regelmäßig kontrolliert, auch der Schutz der Feldlerchen sei Teil des Konzepts.
Die Kuchlers überzeugt das nicht. Die Antworten gingen an den Fragen vorbei, sagen sie. Zudem zweifeln sie die Einstufung als „extensive“ Nutzung an und verweisen auf eine „bereits sichtbar geschädigte Grasnabe“. Grundsätzlich darf auf Ausgleichsflächen beweidet werden, solange dies der ökologischen Aufwertung dient. Derzeit sind allerdings noch keine Weidetiere auf den Wiesen. Üblich ist eine Nutzung zwischen Mai und Oktober.
Zwischen Artenschutz und Interessenfrage
Was die Feldlerchen betrifft, so argumentiert die Bahn damit, dass Beweidung für Feldlerchen schonender sei als die frühere Mahd. Außerdem gebe es auf den Harthausflächen eine so große Menge an Brutpaaren, dass die Population nicht gefährdet sei. Für die Kuchlers bleibt ein ungutes Gefühl. Sie befürchten, dass wirtschaftliche Interessen überwiegen. Jetzt wollen sie weiter Druck machen. Sie bitten um „eine Besichtigung mit dem Bezirksausschuss Aubing und uns als angrenzende Kommune mit dem Stadtrat Germering, da auch die Belange nach Erholung der Bürger nicht außer Acht gelassen werden sollten“. Außerdem regen sie an, zumindest Teilflächen zugänglich zu halten. Für sie geht es dabei nicht um Freizeit, sondern um Artenvielfalt vor der Haustür eines wachsenden Stadtteils, „auch im Hinblick auf den Erholungswert der Menschen im neuen Stadtteil Freiham“.