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Probesitzen in der WG-Küche: Bürgermeister Krause, Bewohni Lukas Schulz und Svenja Gutzeit vom KJR (v.l.).

„Bewohnis“ in Allach

Wohnraum, vor allem bezahlbarer, ist extrem knapp. Lösungen müssen her. Eine ist der Verein „Bewohnis e.V.“, der eben in Allach seine Premiere mit dem ersten Wohnprojekt gefeiert hat. Mehr Projekte sollen folgen.

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Was sind das – die „Bewohnis“? Was wie heimliche Fantasiewesen klingt, fast wie Hüter der Wohnlichkeit, sind in echt Mitglieder des Vereins Bewohnis e.V., der sich vor allem halben Jahr gegründet hat und nun mit dem ersten Projekt am Start ist: nämlich ein leerstehendes, unrenoviertes Haus – in dem Fall in Allach – für kreative und engagierte junge Leute freizugeben, die hier alles selbst herrichten sollen und maximal drei bis fünf oder vielleicht auch mehr Jahre zu verträglichen Mieten wohnen können.

Von außen …

Im Pilotprojekt in Allach sind sieben junge Leute zwischen 18 und 27 am Start, alles Studis oder FSJler oder gerade fertige Arbeitnehmer im Beruf. Im April begann das Projekt mit einem halben Jahr an Bürokratie. „Das war das absolut Nervigste und Kräftezehrendste. Die Sanierung selbst war gar nicht mehr tragisch“, so Lukas Schulz. „Es hat echt Spaß gemacht, sich kopfüber ins kalte Wasser zu stürzen. Fachleute sind wir alle nicht. Aber jeder kennt wen, der was schon mal gemacht hat. Davon haben wir profitiert und viel gelernt. Wir haben gelernt, uns einfach an die Sachen ranzutrauen.“

… von innen bei den 13 qm großen Zimmern, die im Dach entstehen.

München Wohnen: „Wir wollen Leerstand auf null bringen“

Das Haus ist in sieben ungefähr 13 qm große Zimmer eingeteilt worden. Dazu zwei Küchen, zwei Bäder, ein Wohnzimmer, Keller und ein großer Garten, der erst im Frühjahr so richtig zum Tragen kommt. Zwei sind schon eingezogen, zwei werden in Kürze – es gibt also schon was zu sehen.

Das war Grund für eine Besichtigung von Bürgermeister Dominik Krause („Danke für diese unkomplizierte Lösung für neuen Wohnraum.“), München-Wohnen-Geschäftsführer Christian Müller („Ich wünsche euch hier ein gutes Miteinander.“), Kommunalreferats-Leiter Edwin Grodeke („Hier entsteht etwas richtig Gutes. Danke für euer Engagement!“) und vielen Vertretern vom KJR München. Denn im KJR kam zuerst diese Idee von der unkonventionellen Leerstands-Nutzung auf.

Christian Müller erklärte das Ziel: „Wir wollen den Leerstand auf null bringen. Dafür müssen wir uns viel überlegen.“ Gerade noch habe man 900 leerstehende Objekte in München, die München Wohnen für die Stadt verwaltet. Nach Abriss und Verkauf sind noch ca. 100 übrig. Da finde man sicher etwas, so Müller. „Wir sind begeistert von dieser Idee der Zwischennutzung und würden die Zwischennutzungen gern besser organisieren. Daher unterstützen wir jedes dieser Projekte! Meldet euch gern, wenn ihr Hilfe braucht.“

Begeisterte Politiker: Pascal Fuckerieder, Christian Müller, Dominik Krause und Gerhard Wagner vom KJR (v.l.).

Unkonventionelle Lösungen

Durch den Verein sei man keine Einzelperson, sondern könne in Gruppe auftreten, so Bewohni Bennett Eisfeld. Das Haus bleibe natürlich in Kommunalhand. „Wir dürfen sonst alles machen.“ Planen, Boden raus, neue Wände rein, verputzen – „echt toll, was wir gelernt haben.“ Die 5 und vielleicht sogar noch mehr Jahre Perspektive als Bewohni in Allach sei „für uns eine wertvolle Perspektive. Meine Eltern wohnen hier. Ich freue mich, dass ich das hier gefunden habe. Von mir aus etwas auf dem freien Wohnungsmarkt zu suchen, ist hoffnungslos.“

„Coole Nummer“, freute sich BA-Vorsitzender Pascal Fuckerieder. „Ich hoffe, ihr werdet schnell heimisch. Wir haben hier viele Vereine und Handwerker. Ihr seid überall gern gesehen. Es ist hier gar nicht so anonym, wie es in der Stadt oft ist“, meinte er und nannte das Bewohni-Haus eine „Keimzelle, von der aus sich hoffentlich noch viele weitere Beispiele entwickeln werden.“