Fünf vergoldete, mit Samt bezogene Sessel hatte der CSU-Ortsverband Aubing, Neuaubing, Westkreuz und Freiham für die Geburtstagsfeier in der Pasinger Fabrik auf die Bühne gestellt. Vier davon waren rot, einer schwarz und etwas schlichter. Auf dem schwarzen Sessel nahm das Geburtstagskind Platz: Otmar Bernhard, ehemaliger bayerischer Umweltminister und langjähriger Landtagsabgeordneter (1990 bis 2018). Politisch passte die Farbe ohnehin. Und dass sein Sessel weniger prunkvoll ausfiel, fügte sich ebenfalls ins Bild, das seine Weggefährten von ihm zeichneten: Bernhard sei keiner, der viel Aufhebens um die eigene Person mache.
An seinem 80. Geburtstag blieb ihm die Aufmerksamkeit allerdings nicht erspart. Ortsvorsitzender Sebastian Kriesel hatte drei Gäste auf die Bühne geholt, die mit persönlichen Erinnerungen und Anekdoten auf Bernhards Leben zurückblickten: Monika Kratzer, Präsidentin des Bayerischen Landesamts für Umwelt und ehemalige Mitarbeiterin Bernhards, dessen Ziehsohn Thomas Mayrhofer sowie Andreas Bauer, heute Wirtschaftsreferent in Kaufbeuren.

Problembär Bruno: Morddrohungen und eine späte Entschuldigung
Auch ein Kapitel aus Bernhards politischer Vergangenheit kam zur Sprache, das weit über Bayern hinaus für Schlagzeilen sorgte: Problembär „Bruno“. Vor 20 Jahren wurde der Bär nach gefährlichen Begegnungen mit Menschen abgeschossen. Bernhard, damals Staatssekretär im Umweltministerium, musste die Entscheidung anschließend vor der Presse vertreten. „Es war meine schlimmste überhaupt“, erinnerte er sich an die Pressekonferenz. Die Emotionen kochten hoch, es gab sogar Morddrohungen. Bernhards Familie erhielt Polizeischutz.
Bis heute hält Bernhard die Entscheidung für richtig. Ganz losgelassen hat ihn das Schicksal des Bären offenbar dennoch nicht. Später besuchte er Bruno im Münchner Museum Mensch und Natur, wo das ausgestopfte Tier ausgestellt ist – und entschuldigte sich bei ihm.
CSU-Wahlfälschungsaffäre: Bernhard als Krisenmanager
Auch Josef Schmid, für seine CSU-Kollegen im Münchner Westen immer noch der „Seppi“, gratulierte. Er würdigte Bernhards taktisches Geschick, seinen Wertekompass und seine Sachlichkeit. „In der tiefsten Krise der Münchner CSU hat Otmar Bernhard die Führung übernommen“, erinnerte Schmid.
Gemeint war die Wahlfälschungsaffäre von 2004, die die Münchner CSU so schwer erschütterte, dass zeitweise sogar ihre Auflösung im Raum stand. Bernhard galt damals als Hoffnungsträger, wie Kriesel betonte. Von 2004 bis 2011 führte er den CSU-Bezirksverband. Seine ausgleichende und sachliche Art habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Partei wieder stabilisierte, so die Einschätzung seiner Weggefährten.
👇 Otmar Bernhard (Mitte) tauscht Erinnerungen aus mit Sebastian Kriesel (r.) und Monika Kratzer. 👇

Zigarillo, Dalmatiner und ein bisschen Schalk
Doch der als „Oberdiplomat“ beschriebene Bernhard hat offenbar auch eine humorvolle Seite. Andreas Bauer bescheinigte ihm eine gehörige Portion Schalk. Monika Kratzer verriet dazu ein kleines Laster des Jubilars: Bernhard zieht gerne mal an einem Zigarillo. Mit dem Rauchverbot habe er sich deshalb nicht gerade leichtgetan, erzählte sie mit einem Augenzwinkern.
Einen Einblick in den Familienalltag gab Thomas Mayrhofer. Bernhard liebe feste Abläufe: aufstehen, mit dem Dalmatiner Gassi gehen, Sport treiben und zwischen den Terminen immer wieder Nachrichten lesen, hören und sehen. Er sei stets „top informiert“ gewesen. Besonders die tiefgründigen Gespräche mit ihm seien Mayrhofer in Erinnerung geblieben. „Das hat mich geprägt“, sagte er.
👇 SchirmherrnOtmar Bernhard (l.) bei der Bierprobe fürs diesjährige Herbstfest 👇

Aubinger Herbstfest: Schirmherrschaft mit Tradition
Besonders Bernhards Nähe zu den Menschen in seinem Stimmkreis hob Sebastian Kriesel hervor. Neben den großen politischen Themen habe er stets auch die kleineren Vereine und Einrichtungen vor Ort im Blick gehabt, darunter die Aubinger Haserer und die Kleingartenanlagen. Eine feste Größe ist Bernhard bis heute beim Aubinger Herbstfest. Seit 34 Jahren übernimmt er dort die Schirmherrschaft und zapft traditionell das erste Bierfass an.
Mit herzlichem Applaus verabschiedeten die Gäste den Jubilar schließlich von der Bühne. Zum Ende des Abends wurde das freilich noch nicht: Beim anschließenden Sektempfang gab es für Freunde und politische Weggefährten reichlich Gelegenheit, mit Bernhard alte Erinnerungen aufzufrischen und die eine oder andere Anekdote auszutauschen.