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Seit 150 Jahren im Takt: Das Trommlercorps Aubing beim Auftakt zum diesjährigen Herbstfest mit Josef Preis als Tambourmajor.

Von Aubing auf die Wiesn

Seit mehr als 150 Jahren wird in Aubing getrommelt – und seit 1959 gehören die Aubinger Trommler auch zu den traditionellen Festzügen des Münchner Oktoberfests. Tambourmajor Josef Preis erzählt, warum die Begeisterung bis heute ungebrochen ist, wie Anfänger auf Tischplatten das Trommeln lernen und weshalb die Geschichte des Trommlercorps auch eine Geschichte von Gemeinschaft, Familie und gelebter Tradition ist.

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Aubinger Archiv, Martina Krämer, privat

Wenn sich im September der Trachten- und Schützenzug zum Münchner Oktoberfest durch die Innenstadt bewegt, marschieren auch die Aubinger Trommler mit. Seit 1959 gehören sie zu dem traditionsreichen Festzug – und vertreten dabei ein Brauchtum, das in Aubing schon seit mehr als 150 Jahren gepflegt wird.

Die Geschichte des Trommlercorps Aubing reicht bis ins Jahr 1874 zurück. Entstanden ist es aus dem damaligen Krieger- und Veteranenverein und ist bis heute eng mit dem Aubinger Vereinsleben verbunden. Was bedeutet es, Jahr für Jahr beim Oktoberfestzug dabei zu sein? Wie begeistert man junge Menschen für das Trommeln? Und warum fasziniert das gemeinsame Spiel bis heute? Darüber spricht Tambourmajor Josef Preis, der das Trommlercorps seit 2007 leitet.

👇 Das Trommlercorps 1974 👇

👉🏻 Herr Preis, das Trommlercorps Aubing, bei dem Sie Tambourmajor sind, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Was bedeutet diese Tradition heute?

Brauchtum und Tradition werden in Aubing am westlichen Stadtrand von München bis heute großgeschrieben. Deshalb sind wir Trommler besonders stolz darauf, diese Tradition seit inzwischen mehr als 150 Jahren fortführen zu können. Für uns ist das Trommeln aber weit mehr als nur die Pflege eines alten Brauchtums – es verbindet uns, macht uns Freude und sorgt bei unseren unterschiedlichen Auftritten immer wieder für besondere Momente. Jeder von uns ist mit großer Begeisterung dabei.

👉🏻 Das Trommlercorps ist aus dem 1874 gegründeten Krieger- und Veteranenverein hervorgegangen und bis heute eng miteinander verbunden. Was bedeutet diese besondere Verbindung für das heutige Vereinsleben?

Diese enge Verbindung ist für uns etwas ganz Besonderes und prägt unser Vereinsleben bis heute. Sie bedeutet Zusammenhalt und Gemeinschaft. Das Trommlercorps ist kein eigenständiger Verein, sondern aus dem 1874 gegründeten Krieger- und Veteranenverein hervorgegangen, mit dem wir heute als Veteranen- und Kameradschaftsverein noch immer eng verbunden sind. Bei Festen, Veranstaltungen und Umzügen treten wir immer wieder gemeinsam auf und pflegen unsere Tradition.

👉🏻 Wo kann man das Trommlercorps Aubing heute überall erleben – und welche Auftritte sind für Sie etwas ganz Besonderes?

Ein ganz besonderer Höhepunkt ist für uns jedes Jahr die Teilnahme am Einzug der Wiesn-Wirte am Samstag und am Trachten- und Schützenzug am Sonntag zum Oktoberfest. Seit 1959 sind wir dabei und marschieren und trommeln durch die Münchner Innenstadt – die beiden Corona-Jahre bildeten die einzige Unterbrechung. Vor einem so großen Publikum aufzutreten und dabei Aubing zu vertreten, ist für jeden von uns immer wieder etwas ganz Besonderes, ganz gleich, ob jung oder alt.

Natürlich fiebern die Jungen noch mehr auf die Wiesn hin, doch auch für uns Ältere ist es jedes Mal aufs Neue aufregend. Das macht schon etwas mit dem Verein. Nach den Festzügen geht es traditionell weiter ins Löwenbräuzelt, wo wir gemeinsam mit der Festkapelle auftreten und den Wiesnbesuchern aus aller Welt unsere Tradition zeigen können.

Aus Erzählungen weiß ich, dass der Onkel meines Vaters, der Aubinger Tambourmajor Andreas Preis, genannt Scherer Anderl, schon 1959 vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen war und immer von „so einem Renommee“ gesprochen hat, weil die Aubinger bei den Wiesnfestzügen mitmarschieren und mittrommeln durften.

👇 Wiesneinzug 1998 👇

👉🏻 Und in Aubing: Wo ist das Trommlercorps aktiv zu bewundern?

In Aubing kann man uns bei vielen Vereinsjubiläen und Festen erleben, bei den Maifeiern, unserem Jahrtag am Pfingstmontag, beim Aubinger Herbstfest und natürlich auch am Volkstrauertag. Das sind feste Termine in unserem Vereinsjahr, auf die wir uns immer freuen. Aber wir treten auch außerhalb des Stadtbezirks auf. Wo immer wir mit unseren Trommeln dabei sein können, macht es uns Freude, unseren Verein und die Aubinger Tradition zu präsentieren.

👇 Otto Preis 👇

👉🏻 Ihr Vater Otto Preis hat das Trommlercorps seit 1961 über viele Jahrzehnte als Tambourmajor bis zu seinem 85. Geburtstag geprägt. Als Sie 2007 die Nachfolge übernommen haben – war für Sie schon früh klar, dass Sie die Tradition einmal weiterführen werden?

Ja, das war für mich eigentlich schon früh klar. Durch meinen Vater bin ich seit 1966 mit dabei und das Trommlercorps ist damit ein großer Teil meines Lebens. Heute freue ich mich besonders, dass auch mein Sohn Sepp, der inzwischen der 2. Aubinger Tambourmeister ist, in meine Fußstapfen tritt. Es macht mich schon stolz, dass wir als Familie Preis diese gewachsene Tradition nun bereits in vier Generationen aufrechterhalten können.

👉🏻 Wie wird man eigentlich Aubinger Trommler? Kann jeder das Trommeln lernen oder gibt es bestimmte Voraussetzungen? Wie schaut es mit dem Nachwuchs aus?

Nachwuchsprobleme hatten wir eigentlich nie. Es kommen immer wieder neue Interessierte zu uns – mal sind es mehr, mal weniger. Und bei unseren Auftritten sind ohnehin nicht immer alle Trommler dabei, weil natürlich auch jeder einmal verhindert sein kann.

Das Trommeln selbst lernt man bei uns zunächst auf Tischplatten – das wissen wahrscheinlich die wenigsten. Dort üben die Neuen die verschiedenen Rhythmen und entwickeln ein Gefühl für Takt und Tempo. Bis die Trommelfiguren Wirbel, Schlepp und Ruf richtig sitzen, dauert es schon eine Weile. Die einen lernen schneller, die anderen brauchen etwas länger – aber letztlich gilt auch bei uns: Übung macht den Meister.

Zum Üben treffen wir uns regelmäßig in der sogenannten „Naßlalm“, die dem Aubinger Peter Naßl gehört, der selbst Trommler ist. Dort wird gemeinsam geübt, aber natürlich kommt dabei auch das gesellige Beisammensein nicht zu kurz. Das macht ja Brauchtum auch aus.

👇 Das Trommlercorps 2019 beim Herbstfest 👇

👉🏻 Was macht für Sie persönlich die Faszination des gemeinsamen Trommelns und des Vereinslebens aus?

Die Auftritte und die Musik haben mich schon immer fasziniert. Für mich ist es eine besondere Kunst, beim Trommeln exakt im Takt zu bleiben und als Gruppe gemeinsam einen Rhythmus zu entwickeln. Gleichzeitig ist mir die Geselligkeit sehr wichtig – ein musikalisches Hobby mit anderen zu teilen, gemeinsam aufzutreten und dabei eine Gemeinschaft zu erleben. Genau diese Verbindung aus Musik, Tradition und Kameradschaft macht für mich die Faszination des Trommlercorps aus.

👉🏻 Zum Schluss der Blick nach vorn: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Trommlercorps Aubing?

Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, dass der Zusammenhalt in unserem Verein erhalten bleibt und wir unsere Tradition weiterführen können. Wichtig ist natürlich auch, dass wir weiterhin Nachwuchs für das Trommlercorps begeistern können. Und mein größter Wunsch ist, dass es das Trommlercorps Aubing noch viele Jahrzehnte gibt und auch die nächsten Generationen diese schöne Tradition weitertragen.