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Das Cover der neuen Veröffentlichung

Der Traum vom selbstständigen Aubing

Das Aubinger Archiv lädt am Dienstag, 12. Mai 2026, zur Vorstellung der Broschüre „Aubing will wieder selbständig werden – die Bemühungen um Ausgemeindung ab 1945“ ein. Beginn ist um 19 Uhr im Alten- und Service-Zentrum Aubing. Der Eintritt ist frei.

[MK]

Aubing wollte nach dem Krieg wieder eigenständig werden – doch der Versuch scheiterte. Warum die Rückkehr zur Selbstverwaltung trotz großer Bemühungen ein Traum blieb, beleuchtet eine neue Publikation des Aubinger Archivs, die den Titel „Aubing will wieder selbständig werden – die Bemühungen um Ausgemeindung ab 1945“ trägt.

Zusammengestellt wurde die Veröffentlichung von Peter Malter. Die Broschüre erscheint in der bekannten „Blauen Reihe“ des Aubinger Archivs und widmet sich einem Kapitel der Aubinger Nachkriegsgeschichte, das politisch hochbrisant war – heute jedoch fast vergessen ist.

Der Traum von der Selbstständigkeit

Im Mittelpunkt steht der Versuch Aubings, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine kommunale Eigenständigkeit zurückzuerlangen. Aubing war am 1. April 1942 gegen den Widerstand vieler Bürger nach München eingemeindet worden – ohne vertragliche Grundlage und unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur.

Nach Kriegsende entwickelte sich unter amerikanischer Besatzung rasch wieder ein eigenständiges politisches Leben im Ort. Eine zentrale Figur war Georg Granninger: Der frühere Gemeindebeamte galt als verwaltungserfahren und politisch unbelastet. Die US-Militärregierung setzte ihn zunächst als Ortsbürgermeister ein. Bereits Ende 1945 beantragte Granninger offiziell die Wiederherstellung der selbstständigen Gemeinde Aubing.

Warum die Ausgemeindung scheiterte

Die neue Publikation zeichnet nach, mit welchem Nachdruck die Ausgemeindung betrieben wurde – und weshalb sie letztlich scheiterte. Nach Einschätzung des Aubinger Archivs standen einer Rückkehr zur Eigenständigkeit sowohl die Stadt München als auch politische Kräfte vor Ort entgegen.

Dass Fragen lokaler Identität bis heute aktuell geblieben sind, zeigt sich auch im Münchner Westen. Neue Stadtteile wie Freiham verändern die Region stark. Gleichzeitig wächst in Aubing die Diskussion darüber, wie historische Strukturen und der traditionelle Ortscharakter bewahrt werden können. Die damaligen Debatten wirken dadurch erstaunlich gegenwärtig.

Das Gedächtnis Aubings

Seit seiner Gründung 1993 versteht sich das Aubinger Archiv als „Gedächtnis Aubings“. Der Verein sammelt historische Dokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte zur Geschichte Aubings, Neuaubings und der umliegenden Stadtteile. Heute umfasst das Archiv mehrere tausend Fotografien und umfangreiche Dokumentensammlungen.

Die Buchvorstellung verspricht damit nicht nur spannende Einblicke in die Geschichte Aubings, sondern auch eine Diskussion über Heimat, Identität und die Frage, wie viel Eigenständigkeit ein Stadtteil in einer wachsenden Großstadt bewahren kann.