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"Münchne leuchtet" in Bronze für Werner Thalhofer, verliehen von Stadtrat Manuel Pretzl (r.). Footo: Michael Nagy

Aubinger Sportlegende Werner Thalhofer erhält „München leuchtet“ in Bronze

Mit fast 93 Jahren macht Werner Thalhofer noch immer jede Übung selbst vor. Fünfmal pro Woche steht der Aubinger im Gymnastikraum, trainiert täglich und begeistert seit Jahrzehnten andere Menschen für Bewegung. Nun wurde er dafür mit „München leuchtet“ in Bronze ausgezeichnet.

[us]

Fünfmal in der Woche steht Werner Thalhofer noch immer im Gymnastikraum. Der fast 93-Jährige macht jede Übung selbst vor, dehnt, kräftigt, erklärt und motiviert. Seit über 50 Jahren leitet er beim ESV Neuaubing Gymnastikstunden, seit 2008 zusätzlich auch im ASZ Am Wasserbogen. Im Durchschnitt 20 Seniorinnen und Senioren turnen bei ihm mit.

Jetzt wurde der Aubinger dafür mit der Ehrung „München leuchtet“ in Bronze ausgezeichnet – für sein „jahrzehntelanges, herausragendes Engagement als ehrenamtlicher Übungsleiter“. Und schnell wird klar: Werner Thalhofer ist weit mehr als nur ein Übungsleiter. Er ist ein wandelndes Archiv an Bewegungserfahrung, Körperwissen und Disziplin. „Ich mache immer mit. Dann kann man die Übungen am besten erklären“, sagt er. „Ich sage immer: Ihr müsst die Bewegungen spüren, nicht nur nachmachen.“

Vorbild? Allerdings und ein wandelndes Archiv an Bewegungserfahrung obendrein

Angefangen hat alles 1947 beim ESV Neuaubing. Eigentlich wollte Werner Thalhofer damals nur bei den Ringern „bisserl Kraft aufbauen“. Doch aus dem Krafttraining wurde schnell Leistungssport. Dank seines außergewöhnlichen Bewegungstalents schaffte er es bis in die erste Bundesliga-Mannschaft und kämpfte auch international.

Eine Verletzung zwang ihn schließlich zum Aufhören – zumindest mit dem Ringen. Also begann er zu laufen. Und auch dort setzte Thalhofer Maßstäbe. „1979 lief ich meine Marathon-Bestzeit bei der bayerischen Meisterschaft in 2 Stunden 40 Minuten“, erzählt er fast beiläufig. In diese Zeit fiel auch die Gründung des Teufelsberg-Crosslaufs in der Aubinger Lohe, den er 1974 mit initiierte.

Doch selbst eine Knieoperation bedeutete für ihn nicht Stillstand. „Mit dem Laufen war es aus. So bin ich zum Radfahren gekommen.“ Wer jetzt an gemütliche Touren um den Starnberger See denkt, liegt allerdings falsch. Werner Thalhofer entdeckte die Langstrecke für sich und wurde in den 90er-Jahren gleich dreimal Zweiter beim Großglockner-Radmarathon.

Ganz aufgehört hat er bis heute nicht. „Ich fahre noch immer viel Rennrad“, sagt er. „Nur keine so langen Touren mehr. Vielleicht 20 bis 30 Kilometer um den Langwieder See und zurück.“

Werner Thalhofer als Olympia72-Veteran

Was bedeutet ihm die Auszeichnung „München leuchtet“? „Die ehrt mich wirklich sehr“, sagt Werner Thalhofer. Besonders freue es ihn, dass ihn das Caritas-ASZ vorgeschlagen hat. Zur Verleihung im Rathaus erschien er zunächst in Tracht. „Für die Ehrung habe ich mich dann extra umgezogen. Mein Olympia-Trikot musste einfach mit aufs Foto“, erzählt er und lacht.

Das Trikot erinnert an einen besonderen Moment seines Lebens: Bei den Olympischen Spielen 1972 durfte Thalhofer die olympische Fackel rund 1.000 Meter von der Aubinger Stadtgrenze Richtung Innenstadt tragen. „Mit ausgestrecktem Arm! Das war wichtig“, sagt er sofort und hebt die Hand leicht an, als halte er die Fackel noch immer fest.

Fackel und Trikot durften die Läufer damals behalten. Viele Jahre hatte die Fackel bei ihm zuhause einen Ehrenplatz. Heute steht sie im Präsidiumszimmer seines Vereins.

„Alter spielt keine Rolle“

Wer mit Werner Thalhofer spricht, merkt schnell: Für ihn ist Bewegung weit mehr als Sport. Sie ist eine Lebenseinstellung.

„Man muss bewusst leben, nicht einfach automatisch dahin“, sagt er. Bewegung sei wichtig – körperlich ebenso wie geistig. Auch Ernährung, Atmung und Körperwahrnehmung gehörten dazu. In seinen Stunden lässt er Atemtechniken, Yoga-Elemente, Fingermudras sowie Fasziendehnen einfließen.

Und wie hält er sich selbst fit? „Ich mache jeden Tag meine Übungen: 50 Liegestütze, zwei Minuten Unterarmstand und so weiter.“ Zipperlein kenne er kaum, sagt er. Nur Hören und Sehen ließen vielleicht etwas nach. Auf das Alter angesprochen, winkt Thalhofer fast. „Alter spielt keine Rolle. Man muss seinen Körper und seinen Geist fordern. Alles andere ergibt sich.“