Mit der Ausstellung „United by Jazz“ widmet sich die Fabrik dem Zusammenspiel von Jazz und Bildender Kunst. Es entsteht ein interdisziplinärer Raum, in dem Musik sichtbar und Kunst hörbar wird.

Hier ist Kunst zu sehen und hören
“In den vergangenen Jahren hat die Fabrik bereits mehrere Musikausstellungen gezeigt – Jazz war bislang nicht darunter”, meint Fabrik-Geschäftsführer Frank Przybilla. Mit „United by Jazz“ öffnet sich das Haus nun bewusst für dieses Genre. Als Multi-Sparten-Haus treffen hier unterschiedliche Kunstformen aufeinander: Fotografie, Malerei, Film, Tanz, Installationen und Musik in Konzerten und Happenings.
„Unser ganzes Haus ist daran beteiligt“, so Przybilla. „Hier kann alles zusammenkommen und sich entfalten – ein Lebensgefühl für Jazz, in das man eintaucht.“

Die Initialzündung für „United by Jazz“ kam vom Fotografen Michael Steiner. Seine Serie „Jazzfaces“, die im Lichthof der Fabrik zu sehen ist, wurde zum Ausgangspunkt des Projekts. Aus dieser Idee entwickelte sich gemeinsam mit den Kuratoren Annette Hempfling und Stefan-Maria Mittendorf sowie der Jazzmusikerin Stefanie Boltz ein interdisziplinäres Format. Fachlich begleitet wird das Projekt von Ralf Dombrowski und Oliver Hochkeppel.
“Wir gehen der Frage nach, was Musik und Kunst verbindet”, erklärte Mittendorf. Als Referenz verwies er auf Wassily Kandinskys „Impression III“ von 1911, das im Lenbachhaus zu sehen ist. Das Gemälde entstand unter dem Eindruck eines Konzerts von Arnold Schönberg – ein frühes Beispiel dafür, wie Klang und Farbe ineinandergreifen können. Jazz erscheint in diesem Zusammenhang als besonders frei und grenzenlos: eine Kunstform, die zugleich zum Sehen, Hören und Fühlen einlädt. „Auf diesen Weg hat sich die Fabrik mit ihrem Projekt gemacht.“

Und dann die Frage, die den Blick öffnet: „Was hat das alles mit Pasing zu tun?", fragte er zur Vernissage. “Pasing quasi als Wiege des Jazz?”
Pasing und der Jazz
Bei ihren Recherchen stießen die Ausstellungsmacher auf einen Ort, der für die Jazzgeschcihte Münchnens zentral wurde: Elektro-Egger in der Gleichmannstraße 10., das ab den späten 60igern mit dem Independent-Plattenlabel ECM und später ENJA die internationale Jazz-Szene prägte. Produktionen von Künstlern wie Chick Corea, Jeanne Lee, Evan Parker, Bobo Stenson und vielen, vielen anderen fanden von hier aus den Weg in die Welt. Auch das berühmte “Köln Concert” von Keith Jarrett gehörte in diesen kulturellen Kosmos.
Elektro-Egger war zudem Sitz des ersten Jazzplatten-Versenders weltweit. Aus dem Umfeld mit den Gründern Manfred Eicher, Manfred Scheffner und Karl Egger entstanden weitere künstlerische Verbindungen: Künstler Dieter Rehm gestaltete Plattencover wie “Pas(s)ing”, Jan Scheffner entwickelte aus der Familiengeschichte eine Karriere als Jazz-Fotograf. Seine Werke sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Alle die lokalhistorischen Funde sind in der Galerie 3 im ersten Stock der Fabrik zu sehen.
Jan Scheffner und Dieter Rehm (v.l.) in der Ausstellung:

Bis zum 12. Juli
Und schließlich wird die Ausstellung hörbar: An zehn Stationen entfaltet sich Jazz als Klangraum, kuratiert von Stefanie Boltz, die auch die Konzertreihe der Ausstellung gestaltet hat. Acht Konzerte verlängern diesen Raum bis in den Sommer hinein – auf der Kleinen Bühne und im Ebenböckanwesen, wo sich Musik und Ort weiter miteinander verweben.
Das vollständige Ausstellungs- und Musikprogramm ist unter zu finden. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind dienstags bis samstags von 15 bis 19 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 6 bzw. 4 Euro.
