Fünf Themen haben wir zur Diskussion gestellt: Verkehr, Mobilität, Wirtschaft, Bildung und Kultur (Links s.u.). Die Antworten der Stadtratskandidaten dazu haben wir bereits veröffentlicht – hier geht es nun weiter zum Wortinterview mit dem BA-Vorsitzenden Sebastian Kriesel. Er ordnet die Diskussion aus der Sicht der kommunalen Praxis ein, spricht über Chancen und Herausforderungen vor Ort und erklärt, was unsere Stadtteile lebendig hält. 1.Verkehr im urbanen Raum: „Wie stehen wir zu Tempo30?“ () 2.Mobilitätskonzept für Freiham: „Wie wollen wir uns künftig von A nach B bewegen?“ () 3.Wirtschaft/Ortskerne: „Wie und wovon wollen wir künftig leben?“ () 4.Bildung: „Was brauchen unsere Kinder – und was ist uns das wert?“ () 5.Kultur und Ehrenamt: „Wer sind wir? Und wie wird unsere Gemeinschaft stärker? Wie stärken wir Zusammenhalt, Demokratie und Engagement vor Ort?“ ()
Welches der fünf Themen beschäftigt die Menschen im Stadtteil derzeit am unmittelbarsten – und warum?
Sebastian Kriesel: Das Thema „Zusammenhalt“! Die steigenden Mieten und die Knappheit an Wohnraum sind für viele eine große Sorge, da sie die Lebensqualität und die soziale Mischung in unserem Stadtteil gefährden. Die Angst, nicht mehr in der gewohnten Umgebung leben zu können, führt zu Unsicherheiten und einem Gefühl der Überforderung. Also Bauen ja – aber nicht um jeden Preis, sondern mit passender Infrastruktur mit Kultureinrichtungen und Freizeitmöglichkeiten. Damit sich die Bürger wohlfühlen, gern hier leben und sich gern einbringen möchten.
Wo sind in der täglichen Bezirksausschussarbeit die größten Zielkonflikte zwischen diesen Themen?
Sebastian Kriesel: In der Bezirksausschussarbeit erlebe ich oft Zielkonflikte zwischen dem Bedürfnis nach mehr Wohnraum und dem Erhalt von Grünflächen und kulturellen Angeboten. Während die Schaffung neuer Wohnungen notwendig ist, gibt es gleichzeitig den Wunsch, unsere Stadtteile lebenswert zu halten und den Zugang zu Erholungsräumen zu sichern. Diese Spannungen sind besonders spürbar bei der Planung neuer Bauprojekte, wo wir einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen finden müssen. Es erfordert viel Kommunikation und Kompromissbereitschaft, um alle Perspektiven angemessen zu berücksichtigen. Und viele stören sich auch am Verkehr. Dieser ist leider da, aber keiner will ihn vor der Haustüre. Da brauchen wir sinnvolle Verkehrskonzepte, auf die wir leider seit Jahren vergeblich warten.
Wo liegen die größten Umsetzungshemmnisse?
Sebastian Kriesel: Die liegen oft in der Bürokratie und der unzureichenden finanziellen Ausstattung von Projekten. Viele gute Ideen und Forderungen scheitern an langwierigen Genehmigungsverfahren oder mangelnden Ressourcen, um sie tatsächlich umzusetzen. Zudem gibt es manchmal unterschiedliche Auffassungen zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den Bürgern, die die Umsetzung von Projekten erschweren. Ein transparentes und kooperatives Vorgehen könnte helfen, diese Hindernisse zu überwinden und das Vertrauen in die kommunale Politik zu stärken. Hier konnte ich schon einiges über das Bezirksausschussbudget unterstützen, aber das reicht bei weitem nicht aus.
Gibt es ein Thema, das die anderen vier verbindet?
Sebastian Kriesel: Das ist die soziale Gerechtigkeit. Sie ist der Schlüssel zu einem harmonischen Zusammenleben in unserer Stadt und beeinflusst alle Bereiche, von Wohnraum über Bildung bis hin zu Kultur und Ehrenamt. Wenn wir soziale Gerechtigkeit fördern, schaffen wir die Grundlage dafür, dass alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Chancen erhalten und sich aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung beteiligen können. Dies fördert den Zusammenhalt und trägt dazu bei, Spannungen abzubauen.
Was stört Bürger häufig an kommunaler Politik?
Sebastian Kriesel: Bürgerinnen und Bürger äußern häufig, dass sie sich in der kommunalen Politik nicht ausreichend gehört fühlen. Oft haben sie den Eindruck, dass Entscheidungen ohne ihre aktive Beteiligung getroffen werden und ihre Anliegen nicht ernst genommen werden. Zudem empfinden viele die Bürokratie als hinderlich und die Prozesse als intransparent. Es ist daher wichtig, den Dialog mit den Bürgern zu suchen und deren Meinungen aktiv in die politischen Entscheidungen einzubeziehen, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz für politische Maßnahmen zu erhöhen. Demokratie ist aber oftmals ein langwieriger Prozess. Das habe ich in den vergangenen 12 Jahren als BA-Vorsitzender mehrfach erlebt. Und ich bin bereit, weiterhin diesen Weg mit allen Bürgern zu gehen, und stelle mich der Wahl als Stadtrat und als BA-Mitglied für unseren schönen Stadtbezirk.