Aubinger . Online
Featured image of post Dienstältestes BA-Mitglied Münchens: Maria Osterhuber-Völkl über Pasing

Her mit dem S-Bahnhalt an der Berduxstraße: Maria Osterhuber-Völkl (Mitte) beim Ortstermin mit BA und Verwaltung.

Dienstältestes BA-Mitglied Münchens: Maria Osterhuber-Völkl über Pasing

Seit 1978 engagiert sich Maria Osterhuber-Völkl im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing. Als dienstältestes BA-Mitglied Münchens hat sie politische Umbrüche und Entwicklungen im Münchner Westen hautnah erlebt. Ein Gespräch über Erfahrung, Veränderungen – und ihre Ziele für die Zukunft.

[US]

Seit 1978 sitzt Maria Osterhuber-Völkl (CSU) im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing – und ist damit das dienstälteste BA-Mitglied Münchens. 23 Jahre jung war sie, als sie in das Gremium gewählt wurde. Lokalpolitik sei ihr in die Wiege gelegt worden, sagt sie. „Schon mein Großvater Josef Osterhuber war Pasinger Stadtrat für die Bayerische Volkspartei und erster Vorsitzender des Bayerischen Journalistenverbands. Mein Vater saß seit den 50er-Jahren im Bezirksausschuss. Ich habe ihn quasi beerbt.“

Fast fünf Jahrzehnte später kennt sie die Abläufe, Konfliktlinien und Entwicklungsschübe des Münchner Westens. Sie war schon Schriftführerin, Jugendbeauftragte, Fraktionssprecherin, Stellvertreterin, Vorstandsmitglied im BA– aktuell ist sie Kassiererin im Vorstand. Kaum ein Amt, das sie nicht ausgeübt hätte. Auch die vielen Entwicklungen, Wendungen, Irrungen in Pasing und im Münchner Westen hat sie aus nächster Nähe begleitet.

Die 70er und 80er: Politik mit Rauch und Durchschlagpapier

Als Osterhuber-Völkl begann, wurde in den Sitzungen noch geraucht und Bier getrunken. Protokolle tippte sie mit Durchschlagpapier in die Schreibmaschine. „Das kann sich heute keiner mehr vorstellen“, sagt sie rückblickend. „Ich habe quasi die Entwicklung von der Schreibmaschine bis zum Smartphone mitgemacht.“ Für sie sei diese Zeit vor allem eine Schule gewesen. „In die Politik muss man hineinwachsen. Demokratie erfordert Wissen, besonders auf kommunaler Ebene. Das wird heute oft unterschätzt.“ Schon in den 80er-Jahren wurde intensiv über die U-Bahn nach Pasing diskutiert. „Wie lange das her ist!“, sagt sie. Für sie bleibt der U-Bahn-Anschluss ein zentrales Anliegen – und ein klassisches CSU-Thema im Münchner Westen.

Die 90er: Konflikte, Fusionen und kultureller Aufbruch

Mit der Zusammenlegung Pasings mit Obermenzing veränderte sich das politische Gefüge grundlegend. „Westkreuz ging, Obermenzing kam – das war konfliktgeladen.“ Es habe Gegenanträge und hitzige Diskussionen gegeben. Gleichzeitig entstand mit der Pasinger Fabrik – in den ehemaligen Ritterwerken – eine neue kulturelle Mitte. Das sogenannte Bulwien-Gutachten zur Einzelhandelsentwicklung und die Diskussion um die Nordumgehung Pasing (NUP) prägten die Debatten. „Es war Aufbruchstimmung. Wir sahen großes Potenzial.“ Vorstand des BA Pasing/Obermenzing in 2008, MAria Osterhuber-Völkl 2.v.r.

Die Nuller- und Zehnerjahre: Neue Mitte, alte Verluste

Die Aufbruchstimmung hielt zunächst an, als es konkrete Projekte umgesetzt wurden: der barrierefreie Bahnhof, die neue Pasinger Mitte, mehr Aufenthaltsqualität am Marienplatz.

„Damals waren unsere Geschäftsleute noch sehr engagiert und brachten viele Vorschläge für ein Verkehrskonzept ein“, erinnert sie sich. Später habe sich die Stimmung jedoch gewandelt. „Besonders die Geschäftsleute wurden an den Rand gespielt.“ Mit der endgültigen Umgestaltung der Pasinger Mitte verschwanden viele kleine, inhabergeführte Geschäfte. „Die Läden, die Pasing so einzigartig gemacht haben, gibt es längst nicht mehr. Die Stimmung ist gekippt – und das war mit Ansage. Es war leider voraussehbar.“ Zwar habe die CSU, allen voran Altstadtrat Tomas Schmatz, gegen das Verkehrskonzept geklagt. Doch nur eine Normenkontrollklage hätte das Projekt grundsätzlich kippen können. „Dafür fehlte uns das Geld.“ HItzige Diskussionen über das Pasinger Verkehrskonzept mit dem damaligen KVR-Verantwortlichen Peter Geck, MAria Osterhuber-Völkl 4.v.l.

Bürgergremium mit Haltung und langem Atem

Wie blickt man auf fast fünf Jahrzehnte Lokalpolitik? „Sehr positiv“, sagt Osterhuber-Völkl. Der Bezirksausschuss sei ein echtes Bürgergremium, in dem die Parteibücher meist im Hintergrund stünden. „Im allermeisten Fall geht es um die Sache.“ Konflikte gebe es selbstverständlich. „Aber Missverständnisse oder echte Streits werden spätestens beim Bier nach der Sitzung besprochen und ausgeräumt.“ Ihre Erfahrung verschaffe ihr viele Vorteile. „Ich kenne die Verwaltung. Manchmal hilft der kurze Dienstweg.“ Gleichzeitig kritisiert sie eine zunehmend ideologische Stadtpolitik. Ihr Rat an jüngere Mitglieder: „Pragmatisch bleiben. Einen langen Atem haben. Sich nicht frustrieren lassen.“ Und ihre Ziele für die nächste Amtsperiode? „Definitiv endlich die U-Bahn nach Pasing, der wichtige S-Bahn-Halt an der Berduxstraße, ein sanierter und wunderbarer Viktualienmarkt als Ortsmitte und endlich wieder eine Uhr am Bahnhof. Und, wenn ich mir persönlich etwas wünschen dürfte: kleine, nette Cafés.“ So schön wärs am Bahnhof mit der Uhr, Grafik von Dorothee Brunner