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Olympia: Ja oder Nein?

Die Wahlbenachrichtigungen zur Olympiaabstimmung müssten inzwischen in jedem Briefkasten gelandet sein. So mancher hadert noch mit der Frage und seiner Entscheidung. Kein Stress, bis zum 26. Oktober ist ja auch noch Zeit. Hier sind die wichtigsten Pro- und Kontra-Argumente zusammengetragen.

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👍🏻 Als die Landeshauptstadt und der Freistaat Anfang September ihre OlympiJA-Kampagne für die Olympia-Bewerbung vorstellten, hatten sie gleich mehrere Argumente, die München geeignet für die Olympiade und auch die Paralympics machen: 1. Nachhaltigkeit, weil die Sportstätten größtenteils vorhanden und 90 Prozent der Anlagen gerade mal 30 km voneinander entfernt sind; 2. Inklusion für die ganze Stadtschaffen ganz im Sinne der Paralympics; 3. Push für den Sport, die Vereine und den Breitensport; 4. Stadtentwicklung durch die vielen Fördertöpfe, die sich über München ergießen würden. Dann könnten 30.000 sozialverträgliche, weil städtische Wohnungen entstehen und der ÖPNV bekäme Aufwind. („Nach dem Push von 1972 sind wir noch lange nicht mit dem Ausbau der Linien fertig“, meinte Anfang September OB Reiter.); 5. Vorbildwirkung und Völkerverständigung – also ein neues Sommermärchen für die Stadt.

👎🏻 Die Gegner mit der Nölympia-Bewegung sind sogar schon sechs Wochen länger am Start. Deren Argumente: 1. Kosten! Nämlich nicht nur die Kosten für die Olympia an sich, sondern auch Folgekosten in Form von steigenden Mieten, Lebenshaltungskosten usw.; 2. Umwelt- und Nachhaltigkeitsbedenken, denn vieles ist zwar vorhanden, aber bei weitem nicht ausreichend, ganz zu schweigen vom Dauer-Bau-Chaos, das die Stadt heimsuchen würde; 3. ein intransparentes Vergabeverfahren sowohl auf nationaler Ebene als auch auf internationaler. Ihr Fazit: es profitieren nur wenige, die das Prestige-Objekt Olympia für sich nutzen können. Der kleine Münchner gehört nicht dazu.

Schwierige Entscheidung? Hier sind einige Meinungen aus dem Münchner Westen:

👍🏻 Sebastian Kriesel (Vorsitz BA 22, CSU): „Olympia ist für mich ein Motor. Für die Wirtschaft genauso wie für die Gesellschaft. Der Olympische Gedanke ist heute so wichtig, wie er damals 1972 in München war. Ich sage JA zu OlympiJA.“

👍🏻 Frieder Vogelsgesang (Vorsitz BA 21, CSU): „Eindeutig JA. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sind ein großes und großartiges Ereignis und bringen die Menschen zusammen. Darüber hinaus sind sie eine Chance, in München Projekte der Stadtentwicklung voranzubringen, die andernfalls vielleicht nie realisiert werden. Dies gilt für den Nahverkehr wie auch den Wohnungsbau. Die Spiele sind nicht nur Wirtschaftsförderung regionaler Unternehmen, sondern in München aufgrund der bereits vorhandenen Sportstätten auch nachhaltig durchführbar. Aktuell geht es um die Entscheidung, ob München sich bewerben soll und noch nicht um die konkrete Ausgestaltung im Detail. Ich jedenfalls würde mich sehr freuen, in meiner Heimatstadt noch einmal eine Olympiade erleben zu dürfen.“

👎🏻 Dagmar Mosch (BA-Grüne, REGSAM): „Grundsätzlich bin ich immer für sportliche Großveranstaltungen, diese sind besonders wichtig für die Sportlerinnen und Sportler. Eine Bewerbung für olympische Sommerspiele evtl. in 2040 oder 2044 (2036 scheidet aus historischen Gründen aus) in München unterstütze ich nicht.“ Sie sei nicht überzeugt vom Konzept: „Temporär aufgestellte Sportstätten sind m.E. nicht nachhaltig, die U9 und weiteren Wohnungsbau muss es sowieso geben. Eine seriöse Aussage zu Bürgerwille, Finanzen und Weltlage kann heute nicht für 2040 oder 2044 getätigt werden.“

👎🏻 Gerald Zehetbauer (BA-Grüne 21): „Ich habe bei dem Bürgerentscheid zu der Bewerbung Münchens für Olympische Spiele mit Nein gestimmt. Wichtigster Grund für das Nein ist, dass das IOC als Veranstalter eine zutiefst korrupte Organisation ist, mit der Geschäfte zu machen unseren demokratischen Werten widerspricht. Die Chance auf sinnvolle Infrastukturprojekte halte ich im Verhältnis zu den vielen Nachtteilen für deutlich überbewertet. Negative Folgen für Leben in der Stadt und für die Natur, finanzielle Unwägbarkeiten, knallharte Vorgaben, die regionale Unternehmen und unsere Nachhaltigkeitsvorstellungen ausschließen sind nur ein paar der vielen möglichen Nachteile.“

👍🏻 Helmut Spratter (Aubing ist IN): „Bei den letzten Spielen in München war ich elf Jahre alt und voll mit dabei. Jedes Ergebnis und jede Medaille habe ich gefeiert. München war bis zum Attentat in Feierstimmung. Es gab kein anderes Gesprächsthema in der Schule und zu Hause.“ Die Sportbegeisterung habe ich auch in seinem weiteren Leben getragen. „Ich sag nur FC Bayern im Olympiastadion, 7 Tage Rennen, Olympia Eisstadion und natürlich viele Konzerte in der Olympiahalle.“ Seine Entscheidung: „Im Rückblick war es ein Lottogewinn für ganz München. Für die Bürger und die Geschäfte. Ich würde mich sehr freuen, nochmal Spiele in München erleben zu dürfen.“

👍🏻 Markus Maucher (ESV Neuaubing): „Wir stimmen für Ja. Die Olympischen Spiele sind das das größte Fest des Weltsports. München hat ein sehr nachhaltiges Konzept der kurzen Wege und der Nutzung vorhandener Sportstätten dargelegt. Der Schub für die Infrastruktur, die Sportstätten und den Wohnungsbau in München ist immens. Die Kulturen der Welt kommen zusammen und die Kinder bekommen neue Vorbilder, Vorfreude, neue Ambitionen auch mit Leistungs- und Wettkampfgedanken.“

👍🏻 Bernd Roth (SV Aubing): „In sportlicher Sicht und aus Sicht der Sportler entscheide ich mich für Olympia. Und als Vereinsverantwortlicher verbinde ich mit Olympia die große Hoffnung, dass für unsere zum Teil veralteten, maroden Sportanlagen Mittel unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden, damit auch der Breitensport davon profitiert und wir alle merken, dass an der Basis, wo Sport jeden Tag gelebt wird, etwas ankommt. Als Bürger erhoffe ich mir einen emotionalen und wirtschaftlichen Aufbruch in der Stadt und dem Land, so wie bei Olympia 72.“

👍🏻 Stefan M. Huppertz (Pfarrer im Pfarrverband München-West): „Ein klares JA zur Olympiabewerbung unserer Landeshauptstadt! 2025 fahren wir noch in U-Bahnen, schwimmen im Olympia-Bädern und nutzen einiges an Infrastruktur, die für die Olympischen Spiele 1972 geschaffen wurden. Zudem höre ich immer wieder von älteren Münchnerinnen und Münchnern, wie beschwingend das „Olympia-Gefühl“ in der Stadt war. Ein positives und großes Projekt wird den Menschen in unserer Stadt und Region gut tun. Ja, das kostes Geld. Und es bringt Geld und Arbeitsplätze mit sich.“

👎🏻 Johannes Sauerer (ARGE Aubing, ÖDP): „„Es ist absurd und absolut unverantwortlich, dass sich München für Olympische Spiele bewerben will. Das Stadtsäckel ist leer, viele Sanierungs- und Investitionsmaßnahmen werden verschleppt oder verzögern sich, die Sportstätten von 1972 sind veraltet und marode. Die Stadt ist auch ohne Olympia eine einzige Baustelle. Besonders verwerflich ist aber, dass man mit einer möglichen Ausrichtung ein in unseren Augen international korruptes System, wie das IOC unterstützt.“ Die ÖDP stelle sich klar dagegen. „Während München unter explodierenden Mieten, Verkehrschaos, einer angeschlagenen Infrastruktur und immer weniger Grün leidet, sollen Millionen für ein Prestigeobjekt verbrannt werden. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die jeden Tag spüren, wie schwer das Leben in unserer Stadt geworden ist. Wir fragen: Warum nicht die Milliarden Euro, die Olympia verschlingt in echten Klimaschutz, in Grünflächen, in bezahlbares Wohnen und in Bildung investieren?“

👍🏻 Matthias Bonigut (SPD-Bezirksrat): „Ich persönlich bin ganz klar dafür, verstehe aber jede und jeden, die einzelne Zweifel haben. Die Hauptkritik finde ich kann man am IOC den Strukturen und Vorgaben üben. Allerdings denke ich es gibt kaum Orte an denen Paralympische und Olympische Spiele so nachhaltig durchgeführt werden können wie in München.“ Das Argument, dass Olympische Spiele bei knapper Haushaltslage zu teuer wären, sei nicht haltbar, sondern ein Argument für die Spiele. „Die paralympischen und Olympischen Spiele bringen die Möglichkeit für Investitionen mit Hilfe des Bundes und Landes in Sportstätten, Infrastuktur und Wohnungen von denen jede /jeder profitiert. Als letztes und vielleicht wichtigstes Argument ist der olympische Gedanke und der damit einhergehende olympische Frieden.“

👍🏻 Roland Jung (Freie Wähler im BA 22): „Ich stimme ganz klar für die Bewerbung Münchens für die Ausrichtung der Olympischen und auch der Paraolympischen Spiele. Gerade als Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Bezirksausschuss ist mir dieser Aspekt genauso wichtig. 1972 hat sich die Welt in München verliebt. Mit den Olympischen Spielen hat München nicht nur seinen Titel als „Heimliche Hauptstadt der Republik“ endgültig festigen können, sondern ist in die Liga der Weltmetropolen aufgestiegen.“ Olympia sei mehr als Sportstättenbau, sondern habe viel mit Herzlichkeit und Offenheit zu tun. „Symbol für diese Leichtigkeit und Herzlichkeit ist für mich das Zeltdach des Stadions, das genauso einmalig wie weltbekannt ist. Kein gedrungenes Stadiondach, sondern vielmehr ein filigranes Plexiglasdach, das von riesigen Händen sanft hochgehoben, ja fast „hochgezupft“ wird in den weiß-blauen Himmel, um gleichzeitig mit friedlichen Sportwettkämpfen, die darunter stattfinden, quasi die Fenster aufzureißen und einen frischen und neuen Geist wehen zu lassen. Mit einem klaren und beherzten „Ja“ zur Bewerbung sollten wir diese Riesenchance für unsere Stadt, unser Bayern und unser Land mutig und entschlossen ergreifen.“