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Der Archivvorstand mit Vorsitzenden Egbert Scherello, Peter Malter, Angela Günter, langjährigen Vorsitzenden und nun Ehrenmitglied Anton Fürst, Martina Krämer und Ludwig Neulinger (v.l.).

+++ Aubings Gedächtnis +++

Wie werden geschichtsträchtige Unterlagen aufbewahrt? Kann ich in einem Archiv Unterlagen zu meinen Familienangehörigen finden? Wie kann ich nach ihnen recherchieren? Darauf hatte das Aubinger Archiv e.V. beim bundesweiten Tag der Archive Antworten und warb gleich auch für engagierte Hobbyhistoriker, die das Archiv gerne unterstützen würden. Nächste Archivtermin: Vorstellung des neuesten Archiv-Werkes am 3.Mai.

MK

Äußerst zufrieden zeigten sich die Vertreter der Vorstandschaft des Aubinger Archivs e.V. nach ihrem Aktionstag. Den bundesweiten Archivtag gibt es übrigens seit 2001 alle zwei Jahre stattfindet.

Ein Kommen und Gehen war am Samstag in den Räumen des Aubinger Archivvereins in Puchheim. Der langjährige Vorsitzende Anton Fürst (Mitte) freute sich sehr über das große Interesse der Bürger.

Fast überrollt

In Aubing lief der Tag so ab: Für vier Stunden gaben sich Interessierte in den Vereinsräumen in Puchheim an der Benzstraße 9 die Klinke in die Hand. „Zuerst sah es gar nicht danach aus, dass unsere Archivarbeit auf öffentliches Interesse stoßen würde“, so ein Vorstandsmitglied. „Doch auf einmal waren unsere Arbeitsräume voll, es gab fast kein Durchkommen mehr.“ Sehr erfreut über den Ansturm zeigte sich auch der Ehrenvorsitzende Anton Fürst. Er leitetet bis 2023 über viele Jahre hinweg das Aubinger Archiv.

Die Vergangenheit dokumentieren

Bei einer Erkundungsreise durch ein lebendiges Archiv stand hauptsächlich die Vergangenheit rund um Aubing im Mittelpunkt. Ein ausgelegter alter Plan von Aubing mit seiner Wohnbebauung, der schätzungsweise um 1900 gezeichnet wurde, zog viele magisch an. Die Umstehenden rätselten und diskutierten gemeinsam, wo die heutigen Straßen oder ihr heutiges Zuhause sein müssten. Das war nicht immer leicht, denn Aubing war vor über 100 Jahren nur ein kleines Dorf mit zwei Hauptstraßen, der heutigen Alto- und Ubostraße. In der weiteren Umgebung gab es nur Äcker und Wiesen.

Großer Fundus an Archivmaterialien

Fürs Archivteam war das große Interesse eine schöne Bestätigung ihrer Arbeit.

So wurde beispielsweise ganz gezielt nach alten Fotografien zu Personen, Vereinen oder Festivitäten gefragt. Trotz des großen Schatzes an gesammelten Unterlagen, wie Fotos, Dias, Sterbebildern und Landkarten, konnten Martina Krämer, Peter Malter, Ludwig Neulinger und Sibylle Schrott nicht immer weiterhelfen.

Denn das Aubinger Archiv lebt als Gedächtnis von Aubing von dem, was die Leute irgendwann einmal gesammelt haben und dann dem Verein zur Verfügung stellen. Und nach 31 Jahren seit der Archivgründung ist einiges an Fundus zusammengekommen. Interessierte können in sehr vielen unterschiedlichen Dokumenten, aber auch bei Vorträgen, Führungen oder in den Veröffentlichungen die Vergangenheit noch einmal Review passieren lassen.

Archivarbeit ist nicht, wie oftmals vermutet, trocken. Die Nachfrage am bundesweiten Tag der Archive, zeigte das große Interesse an der geschichtlichen Vergangenheit.

Geschichten von damals

Manch einer fand sich am Samstagnachmittag auch in der Küche der Arbeitsräume ein, wo sich bei Kaffee und Kuchen immer wieder sich muntere Gespräche über vielzählige Geschichten oder Anekdoten von alten Aubingern, Zugezogenen oder ehemaligen Schulfreunden entwickelten.

Lachend tauchten die Erzählenden in die Vergangenheit ihrer Eltern oder Großeltern ein. Sätze wie „weißt du noch“ oder „ja so war das damals“ fielen nicht nur einmal. Die Unterhaltungen machten auch deutlich, dass das frühere Leben in Aubing nicht immer einfach war.

und der Blick in die Zukunft

Doch nicht nur dem Gewesenen fühlt man sich im Aubinger Archiv verpflichtet. Auch der Blick in die Zukunft - um das Heutige festzuhalten - steht auf der Agenda der aktiven Vereinsmitglieder. Vor allem durch die immer größer werdenden Bau- und Verkehrsverdichtungen im Stadtbezirk wird dies als eine wichtige Aufgabe angesehen, da diese Maßnahmen massive Veränderungen in der Struktur des 22. Stadtbezirkes mit sich ziehen. Wo heute in einem Grundstück noch ein Bauernhof steht, wird bereits morgen ein Wohnhaus hochgezogen.

In gemeinsamen Gesprächen tauschten sich viele Besucher aus.

Dank an den BA

Nachfragen aus dem Stadtarchiv oder dem NS-Dokumentationszentrum München unter anderem zu alten Unterlagen, Fotografien, Plänen oder Briefen belegen die Wichtigkeit der Archivarbeit für den 22. Stadtbezirk. Ein offenes Ohr, auch in finanzieller Art, findet der Verein dabei immer im hiesigen Bezirksausschuss. Denn bei einem Jahresmitgliedsbeitrag von 12 Euro können, trotz der über 140 Mitglieder, nicht sehr große Sprünge gemacht werden.

Um aber trotzdem die technische Ausstattung auf dem neuesten Stand zu halten, wurde beispielsweise vom Bürgergremium ein A1-Scanner bezuschusst, den auch alle örtlichen Vereine für ihre Vereinsarbeit nutzen können. Für die regelmäßigen Buchveröffentlichungen gibt es auf Antrag beim Bezirksausschuss ebenfalls finanzielle Unterstützung von der Landeshauptstadt München.

Neue Leute fürs Team gesucht

Zu guter Letzt sucht das Aubinger Archiv das ganze Jahr über händeringend interessierte Mitstreiter, die sich beim Scannen, Fotografieren, Dokumentieren, dem digitalen Erfassen von alten Fotos und vielem mehr einbringen möchten. Ideen sind noch viele da, die umgesetzt werden müssten oder könnten. Doch es fehlt an aktiven Helfern.

„Wir freuen uns über jeden, der sich bei uns meldet. Einfach bei uns auf der Homepage nachschauen und mit einem von uns in Kontakt treten. Die Unterstützung muss nicht eine bestimmte Stundenzahl umfassen, an einem bestimmten Tag oder ausschließlich in den Puchheimer Archivräumen stattfinden“, so die stellvertretende Vorsitzende Martina Krämer. „Unsere Arbeit ist so vielfältig und abwechslungsreich, da findet sich für jeden Interessierten ein Platz“, ergänzte Krämers Kollege Peter Malter.

Krämer und Malter wirken übrigens vom ersten Tag an im Aubinger Archiv mit. Sie sind zwei von 16 Aubinger und Neuaubinger Bürgern, die im Juli 1993 den Verein gegründet haben.

Buchvorstellung am Freitag, 3. Mai

Wie schon angekündigt, stellt am Freitag, 3. Mai, um 19 im Alten- und Service-Zentrum Aubing, Am Aubinger Wasserturm 30, 81249 München, das Aubinger Archiv seine neueste Veröffentlichung unter dem Titel „Sozialdemokraten in Aubing-Neuaubing bis zum Verbot 1933“ vor. Peter Malter hat auf über 196 Seiten Materialien zur Geschichte der Sozialdemokraten in Aubing-Neuaubing bis 1933 zusammengetragen. Weitere Infos sowie die Auflistung aller Vereinsveröffentlichungen sind auch auf der Vereinshomepage (www.aubinger-archiv.de) zu finden.