Seit Jahren wartet der Münchner Westen auf ein stimmiges Verkehrskonzept. Immerhin geht der Bau der U5 voran. Nach Schätzungen soll die U-Bahn in den frühen 30iger Jahren nach Pasing fahren. Die Verlängerung nach Freiham könnte aber weitere 10 Jahre dauern. Da kommt der Vorstoß für eine Seilbahn entlang der Landsberger und Bodenseestraße gerade recht. Die renommierten Architekten des Büros Auer & Weber entwarfen schon 2015 den „schwebenden Turmbau“ für die Pasinger Kreuzung Am Knie. Hier soll später eine U5-Station sein. Busse, Tram und Individualverkehr – alles ist beisammen.

„Minimaler Eingriff in den Boden“
Vom Turm aus soll nun eine Seilbahn starten und über 7 oder 8 Stationen in 30 Metern Höhe bis zum vorläufigen Endpunkt in Freiham am Geothermie-Turm führen. In Kabinen mit Platz für 40 Fahrgäste und einem Abstand zwischen ihnen von 60 Sekunden könnten in der Stunde 2.200 Personen in eine Richtung transportieren, rechnete das Projekt begleitende Verkehrsplanungsbüro Robert Obermeier aus Gräfelfing vor und betonte: „Die Trassenführung nutzt bestehende Luftkorridore oberhalb der Landsberger Straße, wodurch Eingriffe in den Boden minimiert werden.“
Voraussichtliche Fahrzeit: 12 Minuten von Pasing nach Freiham, Kostenpunkt: 10 Millionen Euro, Dauer des Baus: unter 1 Jahr. Weiterführung nach Germering-Harthaus innerhalb eines weiteren Jahres möglich.

Probleme: Sorge ums Stadtbild, Datenschutz, Fahrradmitnahme
Der scheidende Stadtrat wird sich des Vorschlags wahrscheinlich nicht mehr annehmen. Erste Einwände wurden dennoch laut und betrafen den Datenschutz. Es stelle sich die Frage, inwieweit Aufnahmen aus 30 Metern Höhe in private Bereiche hineinreichen. Aus Sicht des Datenschutzes seien insbesondere Panoramaaufnahmen aus den Gondeln sensibel zu bewerten. Auch die Sorge ums Stadtbild wurde diskutiert und – ganz aktuell aus Sicht Münchens als künftige Radl-Hauptstadt Europas – wie eine Fahrradmitnahme zu ermöglichen ist. Positiv dagegen wurde die zusätzliche touristische Nutzung einer Seilbahn gewertet.
Weiterführung nach Germering
Die beiden betroffenen Bezirksausschüsse reagierten positiv. Frieder Vogelsgesang, BA-Vorsitzender in Pasing-Obermenzing meinte: „Die Fertigstellung der U5-Verlängerung bis Pasing wird bis in das Jahr 2034 hinaus dauern. Erst im Anschluss kann mit der Weiterführung nach Freiham begonnen werden, die sodann viele weitere Jahre bis zur Fertigstellung benötigen wird. Um den neuen Einwohnerinnen und Einwohnern eine schnelle und öffentliche Verbindung in die Münchner Innenstadt in einem akzeptablem Zeithorizont anzubieten, ist der Bau einer Seilbahnverbindung vom neuen Hochhaus Am Knie bis nach Freiham eine hervorragende Idee.“
Sebastian Kriesel, BA-Vorsitzender in Aubing und künftiger Stadtrat kommentierte: „Neue Seilbahnen muss es nicht nur in den Bergen geben. Auch für den städtischen Verkehr werden Sie ein perfektes ergänzendes Verkehrsmittel für den öffentlichen Personennahverkehr. Die Strecke über Pasing nach Freiham bietet sich doch geradezu dafür an. Aus der Geothermiestation in Freiham könnten wir wunderbar eine Seilbahnstation konstruieren. Ich nehme meinen Auftrag als neu gewählter Stadtrat sehr ernst und werde umgehend mit dem Oberbürgermeister in Germering Kontakt aufnehmen, um bereits jetzt eine Verlängerung dieser Strecke über Freiham bis nach Germering zu diskutieren.“ Bei den Germeringern rannten die Münchner mit dem Vorschlag offene Türen ein. Schließlich hatte Germering einen ähnlichen Vorschlag bereits 2018 unterbreitet und war beim Münchner Stadtrat auf Skepsis gestoßen. OB Andreas Haas erklärte auf Nachfrage: „Ich begrüße, dass der Vorschlag jetzt endlich ernsthaft geprüft wird – auch wenn wir bereits 2018 eine ähnliche Idee eingebracht haben.“