1911 gründeten engagierte Aubinger um den Bahnarzt Dr. Christian Kirsch die erste Sanitätsorganisation vor Ort. Anfangs transportierten sie Kranke mit einfachen Mitteln nach München oder Fürstenfeldbruck. In beiden Weltkriegen versorgten sie Verwundete und unterstützten Lazarette – getragen vom humanitären Gedanken.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchsen die Aufgaben: Sanitätsdienste, Blutspenden, Erste-Hilfe-Kurse und Katastrophenschutz. 1992 wurde die Einheit als „Bereitschaft West 3 – Aubing“ wieder eigenständig.
Heute engagieren sich rund 60 Ehrenamtliche. Sie helfen im Notfall, bilden aus und stärken den Zusammenhalt im Stadtteil. Seit 115 Jahren gilt: Menschlichkeit, Freiwilligkeit und Hilfe für alle.

Interview zum 115-jährigen Jubiläum des Roten Kreuzes in Aubing
Ein Gespräch mit der Bereitschaftsleiterin des BRK West 3 – Aubing, Ramona Gesche
Frau Gesche, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. Die Rotkreuz-Bereitschaft in Aubing feiert in diesem Jahr ihr 115-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich und für die Gemeinschaft? Gesche: Mich persönlich erfüllt dieses Jubiläum mit großem Stolz, auch wenn ich selbst erst seit vergleichsweise kurzer Zeit Teil der Bereitschaft bin. 115 Jahre zeigen, mit welcher Beständigkeit und Begeisterung wir als Gemeinschaft zusammenstehen, egal was auf der Welt geschieht. Es ist das Abenteuer Menschlichkeit in seiner besten Form.
Wie wird dieses 115-jährige Bestehen gefeiert? Gesche: Der Höhepunkt ist der 10. Mai mit einem Familientag rund um das Rotkreuzhaus: mit Rettungsfahrzeugen, Hüpfburg, Teddyklinik und allem, was beim letzten Familientag im Jahr 2022 so gut angekommen ist. Zuvor findet am Sonntag, 1. März, ein Gottesdienst mit Fahrzeugweihe in der Aubinger Pfarrkirche St. Quirin statt. Im Anschluss laden wir andere Münchner Bereitschaften, Vereine und Verbandsvertreter zu einem Empfang ein.
Die Aubinger Sanitätskolonne wurde 1911, also vor 115 Jahren, gegründet. Welche Aufgaben prägen den Alltag der Bereitschaft heute am stärksten im Vergleich zu früher? Gesche: Zu Beginn lag der Schwerpunkt vor allem im Verletztentransport. Diese Aufgabe gibt es in dieser Form nicht mehr. Heute sind wir deutlich breiter aufgestellt. Neben den ehrenamtlichen Sanitätsdiensten und unserem „Helfer vor Ort“ übernehmen wir viele weitere Aufgaben. Die Schwerpunkte haben sich aber auch in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben. So lag vor etwa zehn Jahren für uns als Bereitschaft Aubing ein Fokus auf dem Aufbau der Blutspendeaktionen. Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit Aufklärung und Vorsorge im Zivil- und Katastrophenschutz. Damit erweitert sich unser Aufgabenfeld erneut.
Der „Helfer vor Ort“ ist ein wichtiges Angebot. Warum ist dieses System für Aubing so wertvoll? Gesche: Der „Helfer vor Ort“ überbrückt im Notfall kritische Zeitspannen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Gerade in München mit seiner hohen Einsatzdichte kann das entscheidend sein. Neue Stadtteile wie Freiham verschärfen diese Situation zusätzlich. Für unsere neuen Helfer und Helferinnen ist es aber auch eine Chance, um früh Einsatzerfahrung zu sammeln und Routine im Umgang mit Stresssituationen zu entwickeln. Auch ich habe nach der Sanitätsausbildung mit dem „Helfer vor Ort“ sehr wichtige Erfahrungen gesammelt.
Das Rotkreuzhaus in der Altostraße ist in Aubing seit Jahrzehnten ein zentraler Ort. Welche Bedeutung hat es für die Bereitschaft? Gesche: Für uns ist es die zentrale Anlaufstelle für Dienste, Ausbildung, Material und die Gemeinschaft. Einfach unser „Heimathafen“, in dem wir zusammenkommen und füreinander da sind, auch nach belastenden Einsätzen. Mit der Aubinger Bevölkerung kommen wir hier aber genauso in Kontakt. Das kann bei Erste-Hilfe-Kursen oder anderen Aktionen sein und wir nutzen diese Gelegenheiten auch gern zum Austausch und erfahren dabei viel Wertschätzung. Unsere Präsenz im Stadtteil schafft Vertrauen und erleichtert die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen und Vereinen.
Blutspenden und Zivilschutz haben Ihre Aufgaben verändert. Warum sind diese Themen so wichtig? Gesche: Prävention und Aufklärung werden immer wichtiger. Ohne Blutspenden können lebenswichtige Behandlungen und Operationen nicht durchgeführt werden. Deshalb gilt unser ausdrücklicher Dank den Spenderinnen und Spendern im Münchner Westen, die unsere Termine regelmäßig dreimal im Jahr wahrnehmen. Neu hinzugekommen ist die Aufklärung zur Notfallvorsorge. Ereignisse wie ganz aktuell der großflächige Stromausfall Anfang des Jahres in Berlin zeigen, wie schnell Ausnahmesituationen entstehen können. Die Menschen brauchen verlässliche Informationen. Deshalb bauen wir dieses Angebot weiter aus und bieten entsprechende Kurse an.
Wie können die Erste-Hilfe-Kurse ebenfalls zur Prävention beitragen? Gesche: Jeder Mensch, der einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, kann im Ernstfall helfen und so wertvolle Zeit überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft. Daher werden wir auch nicht müde, das Wissen in die Bevölkerung zu tragen. Ich freue mich daher sehr darauf, in Kürze auch einen öffentlich zugänglichen Defibrillator am Rotkreuzhaus einweihen zu dürfen. Dieses Gerät kann im Notfall von jedem geholt und bedient werden, um die Herz-Druck-Massage noch effektiver zu machen. Er stammt aus Stiftungsmitteln, die Wartung übernehmen wir. Der Umgang mit solchen Geräten ist auch fester Bestandteil unserer Kurse.
Ehrenamt ist bekanntlich kein leichter Weg. Wie gelingt es Ihnen und Ihrem Team, Engagement über so viele Jahre zu halten und auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für die Rot-Kreuz-Gemeinschaft zu begeistern? Gesche: Das ist tatsächlich keine leichte Aufgabe, denn wir machen das ja alle neben dem Beruf und müssen es auch in Einklang mit Familie und Freunden bringen. Ich glaube fest daran, dass unser Zusammenhalt der Schlüssel ist. Das Herzblut der Menschen, die bei uns sind, steckt an. Die Dankbarkeit der versorgten Patientinnen und Patienten gibt uns das nötige Durchhaltevermögen. Für uns Leitungskräfte steckt trotzdem viel Arbeit dahinter. Wir müssen immer wieder schauen, wie wir die Wünsche und Anforderungen der Helfenden berücksichtigen und sie so einsetzen, dass sie auch immer Spaß an ihren ehrenamtlichen Aufgaben haben. In Lebensphasen, in denen unsere Helferinnen und Helfer weniger Zeit haben, muss man Möglichkeiten finden, sie im Kleinen einzusetzen, damit sie uns verbunden bleiben.
Was macht Sie besonders stolz, Teil dieser Bereitschaft zu sein? Gesche: Das ist ganz einfach: Wir haben in Aubing eine starke Gemeinschaft, die wahnsinnig viel leistet, in einem außergewöhnlichen Stadtteil.
Welche Botschaft möchten Sie abschließend den Menschen in Aubing und Umgebung zum Jubiläum mitgeben? Gesche: Freut euch auf unseren Familientag! Macht bei uns mit, egal, ob als aktives Mitglied oder mit finanzieller Unterstützung für unser Abenteuer Menschlichkeit. Das letzte Wort gehört aber von Herzen meinen Aubinger Sanitäterinnen und Sanitätern: Danke für euer ehrenamtliches Engagement!
Vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg Ihnen und allen Aubinger Rotkreuzlern für ihre tolle Arbeit.