Aubinger . Online
Featured image of post MINT an Mittelschulen und im Ganztag: Bildungsakteure fordern verlässliche Förderung

Agnieszka Spizewska (l) ist Gründerin von Little Lab, Du Linh Trinh kam etwas später hinzu und macht viel Konzeption und Social Media.

MINT an Mittelschulen und im Ganztag: Bildungsakteure fordern verlässliche Förderung

Unsere Frage „Was brauchen unsere Kinder – und was ist uns das wert?“ hat viele Leser bewegt. Auch die Bildungsakteure vom Freihamer Little Lab, Verein für Wissenschaft für Kinder und Jugendliche, meldet sich zu Wort. Hier ihr Gastkommentar:

[Agnieszka Spizewska Linh Trinh]
LittleLab

Agnieszka Spizewska:

Endlich Bildung als Wahlthema! Vielen Dank, Aubinger.online! (der Originalbeitrag: ()

Als Little Lab () sind wir ein Teil des Bildungsökosystem und auch arbeiten wir als Externer Partner mit den Kitas und Schulen zusammen, und zwar seit einigen Jahren. Mein persönliches Steckenpferd ist die Ganztagsbildung, in dem ich eine große Bildungschance für alle Kinder sehe.

Ganztag qualitativ gestalten – Bildung braucht verlässliche Fördermittel und Strukturen

Mit dem stufenweisen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 verändert sich der Grundschulalltag grundlegend – ab September soll sowohl der Freitag als auch die Ferien von den Ganztagsschulen gesichert sein. Von 8 bis 16 Uhr, oft länger - so lange bleiben die Kinder in der Schule. Aus meiner Sicht als Vorständin von Little Lab und selbst auch Kursleiterin im Ganztag ist dabei entscheidend, womit diese zusätzliche Zeit gefüllt wird. Wenn wir wollen, dass Ganztag mehr ist als „verlängerte Aufbewahrung“, brauchen Schulen und KoGa sowohl top-qualifiziertes Personal, als auch die Möglichkeit, systematisch mit qualifizierten Partnern zusammenzuarbeiten, gerade im MINT Bereich. Aus unserem Netzwerk der Münchner Schülerlabore @muc_labs weiß ich, dass das Angebot an außerschulischen MINT Partnern der Anfrage nicht mal ansatzweise entspricht.

Schulen können solche Partner aber nur dann langfristig einbinden, wenn es verlässliche Förderstrukturen gibt – ansonsten bleibt der Ganztag zwangsläufig bei Betreuung und Hausaufgabenhilfe stehen. Ohne öffentliche Fördermittel verfügt realistisch nur der gebundene Ganztag über knappe Mittel für externe Projekte – das ist meistens nur 1 Klasse im ganzen Jahrgang! In einem Stadtteil wie Freiham oder Neuaubing, in dem viele Familien keine zusätzlichen Bildungsangebote privat in Anspruch nehmen, und zwar aus vielen Gründen, entscheiden kostenfreie, gut gemachte Programme im Ganztag ganz konkret über Bildungschancen.

Aus unserer Erfahrung an mehreren Ganztagsschulen wissen wir, wie stark regelmäßige MINT Angebote das Selbstvertrauen und die Berufsperspektiven von Kindern verändern können. Damit das kein Zufall bleibt, braucht es politische Priorität. „Kommunale Bildungsoffensive“ bedeutet nicht nur Bau von tollen Schulen, sondern auch Förderung der außerschulischen Bildung. Kulturelle Bildung, Spielen in der Stadt, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit – das wird alles durch öffentliche Mittel gefördert. MINT? Fehlanzeige.

Linh Trinh:

MINT an Mittelschulen? Unbedingt!

Die aktuelle Diskussion um die Situation an den Mittelschulen greift wichtige Punkte auf. Während Unterstützungsangebote wie Trainingsklassen notwendig sind, darf der Blick jedoch nicht allein auf Defiziten liegen. Wir müssen den Fokus stärker auf das enorme Potenzial derjenigen Jugendlichen richten, die einen Schulabschluss anstreben und dem Arbeitsmarkt als künftige Fachkräfte zur Verfügung stehen wollen. Der aktuelle IQB-Bildungstrend zeigt schulartübergreifend Leistungsrückgänge in Mathematik in der 9. Jahrgangsstufe. Diese Daten sind ein klarer Auftrag: Wir müssen mathematisch-technische Kompetenzen früher stärken – und zwar nicht durch mehr theoretischen Druck, sondern durch Praxisbezug. Genau hier setzt unser Projekt MINTmakersProjekt an. In der zweijährigen Zusammenarbeit mit Mittel- und Realschulen zeigt sich immer wieder: Es mangelt nicht an Begabung. Wir erleben großes technisches Interesse und handwerkliches Geschick bei Jugendlichen, die bislang oft kaum Berührungspunkte mit IT- oder Technikberufen hatten.

Der Schlüssel liegt in der konkreten Anwendung. Wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, wofür sie Mathematik und naturwissenschaftliche Grundlagen benötigen – etwa bei der Herstellung von Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen oder durch Einblicke in technische Berufe – entsteht echte, intrinsische Motivation. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen in München händeringend Nachwuchs für Ausbildungsberufe im technischen und IT-Bereich, während genau diese potenziellen Auszubildenden bereits heute in den Klassenzimmern sitzen. Die Verbindung von schulischem Lernen mit realen beruflichen Perspektiven in der Stadt ist daher ein entscheidender Hebel für die Fachkräftesicherung und für die Bildungsgerechtigkeit gleichermaßen.

Kommen Sie mit uns ins Gespräch, wir freuen uns drauf!

Ein wichtiger Austausch zur Bildungszukunft im Münchner Westen. Als Little Lab – Wissenschaft für Kinder e.V. aus Freiham verfolgen wir die Debatte mit großem Interesse. Besonders die Aspekte Zukunftsfähigkeit, Demokratiekompetenz und Fachkräftesicherung sind entscheidend. Um die Herausforderungen von morgen – ob Klimaschutz, Digitalisierung oder Gesundheitsversorgung – verstehen und mitgestalten zu können, braucht es jedoch ein solides technisches und naturwissenschaftliches Grundverständnis. MINT-Bildung ist daher kein optionales Zusatzangebot, sondern eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung. Diese Förderung darf nicht erst in der weiterführenden Schule beginnen. Bereits in der Kita werden die Grundlagen für logisches Denken, Problemlösefähigkeit und naturwissenschaftliche Neugier gelegt. Pädagogische Fachkräfte begleiten diese frühen Lernprozesse und prägen entscheidend die Haltung von Kindern gegenüber Technik und Wissenschaft.

Gleichzeitig zeigt eine Studie des Nationalen MINT Forums, dass es in Bayern statistisch nur 0,2 strukturell passende außerschulische MINT-Anbieter pro 100 Grundschulen gibt. Mit dem kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung stellt sich daher auch kommunal die Frage, wie zusätzliche Bildungszeit qualitativ gestaltet und wie geeignete Partner verlässlich eingebunden werden können. Im Stadtbezirk 22 arbeiten wir seit Jahren mit kostenfreien MINT-Angeboten für Kinder und Jugendliche – in enger Zusammenarbeit mit Schulen und Betrieben vor Ort. Unser Ziel ist es, frühzeitig Interesse zu wecken, Talente sichtbar zu machen und Bildungschancen unabhängig vom Elternhaus zu stärken. Wir verstehen uns nicht als alleinige Lösung, sondern als Teil eines funktionierenden Bildungsökosystems – und laden die Kandidierenden herzlich ein, mit uns in Freiham darüber ins Gespräch zu kommen, wie MINT-Bildung strukturell und langfristig gestärkt werden kann.