Der Titel „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" will verdient sein. Denn bevor das deutschlandweite Netzwerk die offizielle Verleihung in die Wege leitet, muss 70 Prozent der gesamten Schulfamilie den Selbstverpflichtungsvertrag unterzeichnen. Einher gehen viele Aktionen in den Klassen, um über Respekt, Toleranz und Demokratie zu sprechen, damit die Selbstverpflichtung klar wird.
Im Falle der Reichenau-Mittelschule gründeten die beiden verantwortlichen Lehrer Johanna Federer und Clemens van Loyen eine Demokratie-AG. Die 19 Klassen diskutierten darüber, auf welches Wort sich der Klassenverband einigen kann, um das Projekt am besten zu veranschaulichen. Mut, Gleichberechtigung, Freiheit, Frieden usw. wurden erwähnt und auf einem Blütenblatt geschrieben – fertig ist die Respekt-Blume der Schule.

Altin Islami als Reichenau-Schulpate
Der Selbstverpflichtungsvertrag musste am Schluss nicht nur von den 435 Schülern akzeptiert werden, sondern auch von den Eltern, Lehrern und Mitarbeitern in der Schule. Zu den Bedingungen gehört auch die Suche nach einem Paten, der die Schule im Prozess begleitet.
Die Reichenau-Schule einigte sich auf Altin Islami. Zur feierlichen Titelübergabe meinte Altin: „Es ist mir eine Ehre. Danke, dass ihr mich auf das Projekt aufmerksam gemacht habt und danke auch, dass ich Pate sein darf.“ Er weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, als Migrant nach Deutschland zu kommen und ums Dazugehören zu ringen. Nun engagiert sich der Mathestudent seit Jahren ehrenamtlich für demokratische Beteiligungen. Im Projekt will er Raum für Demokratie geben und „Ansprechpartner sein“.

Kein „Jetzt-sind-wir-fertig-Schild“, sondern der Beginn für Aktionen
„Heute ist unser offizieller Start als Schule mit dem Titel Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Das heißt nicht, dass alles bei uns super ist“, so Schulleiterin Maja Savasman. „Es heißt aber, dass wir nicht wegschauen, wenn etwas passiert und unangenehme Situationen entstehen, dass wir den Mut haben und uns dagegenstellen. Übrigens auch gegen Freunde – das ist oft viel schwieriger, als sich gegen seine Feinde zu stellen.“
Es sei auf keinen Fall „Jetzt-sind-wir-fertig-Schild“, „es ist der Beginn. Mischt euch ein, habt Courage, übernehmt Verantwortung!“ Das war vor zwei Jahren auch ihr Ausgangspunkt. „Es gab einige Vorfälle, bei denen ich mir dachte: jetzt nehmen wir die ganze Schule mit. Das darf sich nicht wiederholen. Hier müssen die Schüler selbst den Mund aufmachen.“

Vielfalt feiern
Dass es gerade im Stadtbezirk das Projekt „Respekt&Toleranz“ in den Schulen und Kindereinrichtungen gibt, sei förderlich gewesen aber parallel gelaufen, so Savasman. Zur Titelverleihung konnten sich dennoch alle Schüler über die „Respekt&Toleranz“-Button freuen.
Übrigens gab es schon am Ende des letzten Schuljahres ein „Fest der Kulturen“ als Sommerfest in der Reichenau-Schule. „Das wiederholen wir auf jeden Fall in diesem Sommer“, erklärte die Schulleiterin am Rande. „Die Schule ist bunt und vielfältig. Diese Vielfalt wollen wir feiern.“
