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Kinder – Schulen - Bildung vor Ort: Stadtratskandidaten antworten

Was brauchen unsere Kinder – und was ist uns das wert? Im Familienalltag von Kitas, Schulen und Betreuung entscheidet sich diese Frage ganz konkret. Hier zeigt sich auch, wie gut Politik vor Ort funktioniert. Die Stadtratskandidaten im Münchner Westen erklären, wo sie Handlungsbedarf sehen - von Ausbau über Qualität bis hin zur Frage nach pädagogischer Haltung. Gemeinsam ist allen: Der Handlungsdruck ist hoch.

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Für viele Familien entscheidet sich Lebensqualität nicht zuerst bei großen Visionen, sondern im Alltag: Gibt es einen Kitaplatz? Wie gut ist die Schule ausgestattet? Wer fängt Kinder auf, wenn es schwierig wird? Wie zukunftskompatibel ist das, was auf dem Lehrplan steht?

Kinder und Bildung sind deshalb eines der sensibelsten Themen kommunaler Politik. Hier treffen Erwartungen, Ressourcen und politische Prioritäten unmittelbar aufeinander. Wir haben unsere Stadtratskandidaten gefragt, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen wollen – und welche Rolle Kinder und Bildung in ihrer politischen Agenda spielen. Unisono Stadtratskanidaten: Ausstattung muss stimmen, aber bitte unbedingt auch ins Personal investieren.

Die Antworten der Kandidierenden zeigen unterschiedliche Schwerpunkte – und einen hohen Erwartungsdruck.

CSU: Nicht am Personal und der Ausstattung sparen

CSU-Stadtrat und Stadtratskandidat Nikolaus Gradl: Qualität verbessern

„Im Neubauquartier Freiham geht es definitiv um die Qualität der Bildung. Die Einrichtungen sind vorhanden, zum Teil können aber Plätze nicht vergeben werden, weil zu wenig Personalstellen besetzt sind. In gewachsenen Strukturen, wie Aubing, Lochhausen oder Langwied, geht es aber um die Schaffung zusätzlicher neuer Standorte, damit wohnortnah ein Betreuungsplatz angeboten werden kann“, sagt er. Neben der Finanzierung sorgt er sich eher um die intensivere „Anwerbung von Erzieherinnen, die motiviert genug sind, ihr pädagogisches Konzept umzusetzen. „Ich wünsche mir mehr Sozialkunde, also Demokratie-Bildung im Lehrplan. Auch die Herausforderungen an Medienkompetenz sind extrem gestiegen in den letzten Jahren: Kinder von heute müssen qualifiziert werden, manipulierte Inhalte zum Beispiel durch KI oder Fakenews zu erkennen.“

Sebastian Kriesel, BA-Vorsitzender und Kandidat für den Stadtrat und den BA: Synergien nutzen

„Unsere Kitas und Schulen stehen unter hohem Druck – räumlich, personell und organisatorisch. Kitas und Schule sind eine absolute Pflichtaufgabe der Kommune. Dabei müssen genügen Plätze für alle zur Verfügung stehen, bei gutem Personal und Ausstattung. Beim Personal und den Plätzen darf nicht gespart werden, auch wenn wir in Zukunft genauer hinsehen müssen“, meint er und möchte in Zukunft Synergien nutzen, um die knappen Räume optimal zu nutzen. Und: „Themen wie Medienkompetenz, Demokratiebildung oder mentaler Gesundheit müssen viel stärker in den Fokus gerückt werden. Das sind alltagsnotwendige Basics, welche nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule vermittelt werden müssen.“

Winfried Kaum, CSU-Stadtrat und Stadtratskandidat: in Bildung nicht in Aktionismus investieren

Ausbau, Qualität oder Personal sind gleichwertige und wichtige Bereiche. „Ein Ausbau, ohne Qualität und Personal macht keinen Sinn. Wir müssen das Angebot erhöhen, gleichzeitig aber die Qualität halten bzw. verbessern und - auch auf Grund des erhöhten Bedarfs - neues qualifiziertes Personal einstellen bzw. aufbauen.“

Finanzieren ließe sich dies mit einer Priorisierung der Ausgaben. „Weniger Prestige- und Ideologieprojekte (wie z.B. Umbau Stadtkämmerei oder Rückbau von bestehenden Straßen), weniger Aktionismus (wie z.B. Greencity-Wanderbaumallee); dafür mehr in die Kitas und Schulen investieren“, betont er und schlägt eine Kooperation zwischen Freistaat und Kommune vor, auch was neue Lerninhalte betrifft und den Umgang mit neuen Medien betrifft.

Freie Wähler: Keinen Sparkurs fahren!

Roland Jung, BA-Mitglied und BA- und Stadtratskandidat

Er sieht Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik in gleicher Verantwortung, hier sollten die Rahmen und die Finanzen zur Verfügung gestellt werden.

„Wir alle leben in einer sich rasend schnell verändernden Welt“, sagt er. „Neue Berufe, neue Anforderungen, neue Fähigkeiten und Fertigkeiten werden die Kinder und später die Arbeitswelt prägen. Neben diesen positiven Effekten bestehen aber auch die Schattenseiten und massive Risiken der digitalen Welt wie Fake News, extreme politische Ansichten und problematische Inhalte aller Art.“

Die Bildung dafür fängt im Kindergarten an. Aber: „Der Platz und Personal müssen vorhanden sein. Hier hat München und gerade unser Stadtteil einen riesigen Nachholbedarf; und es ist in den letzten Jahren leider viel verschlafen worden“, betont er und plädiert auch für ausreichend Mittel für sanierte Schulen, engagierte Lehrer und die nötige Infrastruktur.

„Machen wir uns nichts vor, Kindergärten, Schulen, Betreuungseinrichtungen usw. kosten enorm viel Geld; und dies in einer Zeit, in der die finanziellen Spielräume von Ländern und Gemeinden kleiner und das “finanzielle Hemd” kürzer wird. Daher geht es in den nächsten Jahren vor allem um die Frage der „richtigen und ausreichenden Verteilung" von Haushaltsmitteln. Ich bin der festen Überzeugung, dass wer an Kindern, Betreuung, Schulen und Jugendlichen spart, spart definitiv am denkbar falschesten Ort.“

Grüne: Schon auf gutem Wege und viel erreicht

Judith Greif, Stadträtin und Stadtratskandidatin, Sprecherin für IT und Gleichstellung

„Was den Ausbau angeht, haben wir in den letzten Jahren eine groß angelegte Schul- und Kitabauoffensive ausgerollt, die auch in den nächsten Jahren fortgesetzt wird und im Mehrjahresinvestitionsprogramm fest verankert ist. Tatsächlich ist unser Engpass im Augenblick kein Mangel an Plätzen, sondern an Personal. Dem wirken wir entgegen mit einer attraktiven Ausbildung in allen Erziehungsberufen, deren Absolvent*innen aber natürlich erst in den darauffolgenden Jahren in den Arbeitsmarkt einsteigen“, sagt sie und verweist auf die Vergünstigungen für Erzieher, die jetzt schon geboten sind: Arbeitsmarktzulage, doppelte Münchenzulage, Jobticket und extra Punkte bei der Wohnungsvergabe.

Sie kritisiert die „mangelnde Finanzierung durch den Freistaat“, so dass München „an vielen Stellen weit über die kommunalen Pflichtaufgaben hinaus ausgleichen“ muss. „In Zeiten dramatisch verknappter Kommunalfinanzen ist unser Spielraum allerdings zunehmend beschränkt.“ Fürs qualitative Pädagogische sorgt das Pädagogische Institut im Referat für Bildung und Sport mit von Fortbildungen, Gewaltpräventionen bis hin zu Elternabenden zu spezifischen Themen, so Greif weiter und verweist auf „das bewährte Konzept des Kooperativen Ganztags“ in München. Medienkompetenz und Demokratiebildung sind jetzt schon zentrale Angebote unseres Pädagogischen Instituts.

„Das Thema Mentale Gesundheit adressieren wir z.B. über das neu aufgelegte Konzept zur geschlechtergerechten Pädagogik und den TIN-Leitfaden für unsere städtischen Bildungseinrichtungen. Dennoch wird darauf in den nächsten Jahren ein noch stärkerer Fokus liegen müssen. Daher haben wir erst letzten Monat als Stadtratsfraktion in Zusammenarbeit mit der Bundesschülerkonferenz einen Antrag gestellt, um die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken.“

ÖDP: Flexible Trainingsklassen an den Mittelschulen

Jürgen Müller, BA- und Stadtratskandidat: weniger Wachstum, mehr Qualität und Vielfalt der Träger

„Für mich als Kandidat auf der ÖDP-Liste ist nicht die Entscheidung „Ausbau oder Qualität oder Personal“ entscheidend, sondern die Frage, wie wir den notwendigen Ausbau in der notwendigen Qualität mit ausreichend Personal und einem verlässlichen Angebot überhaupt ermöglichen. Das permanente Wachstum der Stadt verschärft die Lage zusätzlich: Die soziale Infrastruktur rechtzeitig bereitzustellen, wird immer schwieriger. München braucht daher zumindest eine Wachstums-Pause, wenn nicht sogar einen Wachstums-Stopp, damit wir bei Bildung und Betreuung wieder Schritt halten können.“

Bei der Finanzierung schlägt Müller vor, „auf den Boden des Notwendigen“ zurückzukehren und Mittel so einzusetzen, dass sie direkt zu einer qualitativ hochwertigen Bildung beitragen. „München hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem: Wir müssen entscheiden, wo künftig die Schwerpunkte liegen – bei Bildung oder bei Luxus-Radwegen, bei Bildung oder beim ständigen Umbau zur autofreien Innenstadt, bei Bildung oder bei immer neuen „Wünsch-Dir-was“-Projekten für schöneres Flanieren. Fokussierung und Priorisierung zugunsten von Kindern, Jugendlichen und Familien sind überfällig.“

Problematisch sei es, „dass die Stadt zunehmend versucht, Betreuungsangebote möglichst mit ihr genehmen Betreibern zu steuern, während Elterninitiativen und private Träger sich mühsam in ein starres, bürokratisches Konzept einpassen müssen. Ich setze mich dafür ein, dass diese Träger entlastet, fair behandelt und als gleichwertige Partner anerkannt werden.“

Johann Sauerer, BA- und Stadtratskandidat: Bildung von der KiTa bis VHS fördern

„Jede Gesellschaft, die bei der Qualität der Bildung spart oder diese nur einzelnen Schichten zur Verfügung stellt, wird bereits mittelfristig in große Schwierigkeiten geraten. Es steht für mich deshalb außer Frage, dass bei notwendigen Schulsanierungen, Lehrpersonal, Kinderbetreuung oder Angeboten für eine Ganztagsbetreuung nicht gespart werden darf. Bildung endet aber nicht beim Berufs- oder Studienabschluss. Deshalb sind wir für einen Ausbau der Volkshochschulen und der Erhöhung des Etats für Neuanschaffungen und Modernisierungen in den Stadtteilbibliotheken.“

Ein Verständnis für Demokratie könne ein Mensch nur entwickeln, wenn er beteiligt werde, betont Sauerer. Deshalb plädiert er für mehr Angebote an politischer Bildung und die Schaffung eines Jugendbeirats, „damit Jugendliche in unserer Stadt auch gehört werden“.

„Wir setzen uns nachdrücklich für flexible Trainingsklassen an unseren Mittelschulen ein. Hier werden sog. „Problemschülerinnen und Schüler“ in kleinen Klassen mit einer hohen Erfolgsquote (85%) wieder in den Schulalltag integriert. Dieses Erfolgsmodell muss weiter ausgebaut und von der Stadt unterstützt werden.“

Und die Finanzierung? „In unseren Augen hat Bildung Vorrang vor Bewerbungen und Durchführung von Großveranstaltungen, wie z.B. Olympia, unsinnigen Verkehrsprojekten, wie den sog. BMW-Tunnel oder großen Ausgaben, die durch ein weiteres Wachstumsdenken bei den städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen im Norden und Nordosten oder dem neuen Zweckverband im Münchner Westen drohen. Finanzen müssen vernünftig und nachhaltig eingesetzt werden.“

SPD: Bildung ist die zentrale Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit

Matthias Bonigut, SPD-Vorsitzender Oberbayern und Stadtratskandidat

„Bildung ist die zentrale Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit. Es geht nicht nur um Betreuung und das Aufstiegsversprechen durch Bildung, sondern ganz klar um den frühen Ausgleich von Benachteiligung und um den Erhalt unserer Demokratie. Pädagogisch hochwertige Betreuung ist ein entscheidender Faktor für Chancengleichheit, für soziale Sicherheit und für Gesundheitsprävention – dieses Thema kann gar nicht hoch genug priorisiert werden und beginnt bei der Kita.“

Da müsse die Staatsregierung stärker in die Pflicht genommen werden für bezahlbare Kitas, eine verlässliche Finanzierung von Qualität und eine bessere Anerkennung von Fachkräften mit ausländischen Abschlüssen sowie besserer Zugang fürQuereinsteiger*innen. „Demokratiebildung ist gesamt dabei der wichtigste Punkt. Sie umfasst nicht nur Medienkompetenz, den Umgang mit Desinformation und die Stärkung mentaler Gesundheit – sondern ist ein Querschnittsthema was auch nicht in 15 Minuten Verfassungsunterricht am Ende der Schulwoche erledigt ist. Das ist keine Zusatzaufgabe, sondern Kern von Bildung.“

Pascal Fuckerieder, BA-Vorsitzender in Allach und Stadtratskandidat: Schulessen höchstens 3 Euro

„Die Frage nach Prioritäten zwischen Ausbau, Qualität und Personal ist eine Scheinalternative: Wir benötigen alle drei. Aber wenn ich eine Reihenfolge nennen muss: Personal zuerst. Die beste Einrichtung nützt nichts ohne qualifizierte Fachkräfte. Deshalb haben wir die Münchner Kitaförderung neugestaltet und setzen auf bessere Arbeitsbedingungen. Beim Schulbau gilt: funktionale Effizienz statt Prestigebauten, gerade in finanziell angespannten Zeiten.“

Das Wesentliche? Bewährte Angebote sichern statt neue Leuchtturmprojekte, kooperativer Ganztag mit starker Verzahnung von Schule und Vereinen; Demokratieförderung durch Partizipationsformate schon in Kitas, ein Fach namens „Lebensgestaltung“ . „Der Freistaat muss endlich seinen Teil zahlen, gerade bei der Kitaförderung und beim Schulpersonal. Qualität entsteht durch gute Fachkräfte und klare Standards. Wir bauen multiprofessionelle Teams auf, fördern Aus- und Fortbildung gezielt und verlängern befristete Verträge, wo möglich.“

Sein Plädoyer: „Beim Schulessen setzen wir auf einen Preisdeckel von 3 EUR, damit gutes Essen für alle bezahlbar bleibt!“