Das kleine Lochhausen mit seinen 5.500 Einwohnern soll zusätzlich zu den 290 hier beherbergten Flüchtlingen noch einmal 250 Flüchtlinge an der Lochhausener Straße an der Grenze zu Gröbenzell und 69 in der 300 Meter entfernten Sandbergstraße aufnehmen.
Und dies bei fehlendem Nahverkehr, zu kleiner Schule, ohnehin knappen Kinderbetreuungsplätzen und generell wenig Infrastruktur. Im Falle der Lochhausener Straße würde sogar mitten in den Grüngürtel gebaut. Die Verärgerung darüber ist groß bei der Lochhausener Bevölkerung.
Zweierlei Maß?
„Ein Unding! Das ist zuviel, wir schaffen das nicht mehr“, klagte Bezirksrätin Barbara Kuhn bei einem Ortstermin an der Lochhausener Straße. „Wir sind immer noch ein Dorf.“ Es würde in der Stadt mit zweierlei Maß gemessen ungeachtet der Tatsache, dass Lochhausen überfremdet würde. „Wo bleibt die gerechte Verteilung der Flüchtlinge aufs gesamte Stadtgebiet? Wir haben hier viele Probleme, bei denen uns die Stadt nicht hilft, wie zum Beispiel die zu kleine Schule oder die fehlenden Betreuungsplätze.“
Und auch Stadträtin Heike Kainz stellte sich gegen die beiden Vorhaben. „Es geht nicht gegen die Unterkünfte per se. Aber hier ist die konzentrierte Unterbringung einfach zu viel“, sagte sie und verwies gleich noch auf die Natur, die hier platt gemacht werden würde. „Es ist der wichtige Grüngürtel. Wir brauchen einfach Gegengewichte zur heftigen Bebauung ringsumher.
Petition: 1.500 Unterschriften in drei Tagen
Damit aber nicht genug. „Hinzu kommt die Bebauung am Spatzenweg genau auf der anderen Straßenseite mit 120 Wohnungen. Das wird hier sehr massiv hier in der Gegend“, meinte Christian Stockmann beim Ortstermin.
Bei so viel Wirbel und Publikum – wie geht es dann dem Pferdestall „Birkenhof“ als unmittelbarer Nachbar mit seinen 40 Pferden und den 180 Kindern, die hier Woche für Woche Freizeitangebote finden? „Pferde sind Fluchttiere“, erklärte Johann Oberhauser vom Pferdehof. „Wir werden komplett überrannt.“ Aus diesem Grund initiierte er die Petition „Stopp der Flüchtlingsunterkunft an der Lochhausener Straße“, die gleich in den ersten drei Tagen 1.300 Online-Unterschriften und noch einmal 200 Unterschriften auf den Listen einbrachte.
Mit Rückenwind von der Bürgervereinigung
Auch die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing e.V. (https://lebenswertesaubing.de/) unterstützt das Anliegen der Lochhausener und verlinkte ihre Petition auf der Webseite - hier geht es zur Petition.
Im Falle der Unterkunft an der Lochhausener Straße liegt der Beschluss des Stadtrats zwar vor. Jetzt geht es aber um den Bauantrag für die beiden 72x14 Meter großen Häuser, die im rechten Winkel von der Lochhausener Straße stehen sollen. Der wird in Kürze behandelt werden. Dazu braucht es auch die Stellungnahme des Bezirksausschusses 22 (BA).
Nächste Sitzung am 17. September
„Wir werden das Thema im September noch einmal auf der Tagesordnung haben“, erklärte BA-Vorsitzender Sebastian Kriesel. Bei der ersten Abstimmung im Frühsommer bestand eine Pattsituation der Fraktionen und mit dieser Stimmengleichheit eine Befürwortung des Projekts an der Lochhausener Straße. „Wir schauen, wie sich die Fraktionen nun äußern. Die Petition hängen wir auf jeden Fall an die BA-Stellungnahme dran.“
Zwar habe eine Petition keine aufschiebende Wirkung, aber die Stadt müsse sich innerhalb von drei Monaten damit beschäftigen und antworten. „Wir werden sehen, ob die Stadt mit dem es-passt-zwar-nicht-aber-wir-machen-das-trotzdem durchkommt.“ Die nächste BA-Sitzung findet am 17.September um 19 Uhr in der Mensa des Freihamer Schulcampus.